Sam Altmans Traum einer reinen Superintelligenz kollidiert frontal mit der harten Realität der Bilanzbuchhaltung. Die Zeiten des bedingungslosen Wachstums auf Pump sind vorbei.
OpenAI bricht sein wohl wichtigstes unausgesprochenes Versprechen an die Nutzerschaft. Ab der kommenden Woche werden US-Nutzer der kostenlosen Version sowie Abonnenten des „Go“-Pakets Werbeanzeigen in ChatGPT sehen.
Was als revolutionäres Forschungslabor begann, verwandelt sich damit endgültig in ein konventionelles Werbeunternehmen. Der Schritt markiert eine fundamentale Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell, das sich rein auf Abonnements stützte.

Das kostenlose Internetmodell frisst nun auch seine Kinder
Die Ankündigung aus San Francisco ist eindeutig: Wer nicht zahlt, wird zur Ware. Zwar versichert OpenAI gebetsmühlenartig, dass die Werbung keinen Einfluss auf die generierten Antworten habe.
Auch sollen Gesprächsinhalte angeblich nicht an Werbekunden weitergegeben werden. Doch die Geschichte der Tech-Giganten lehrt Skepsis. Sobald der Werbehahn einmal aufgedreht ist, bestimmt der Umsatzdruck den Durchfluss.
Verschont bleiben vorerst nur die Nutzer der teureren „Plus“-, „Pro“- und „Enterprise“-Abonnements. Hier erkauft sich der Kunde für 20 bis 200 Dollar monatlich die Ruhe vor der Reklame.
Milliardenschulden lassen Sam Altman keine andere Wahl mehr
Der Grund für diesen radikalen Kurswechsel ist nicht Gier, sondern nackte finanzielle Notwendigkeit. OpenAI steht unter einem gigantischen Investitionsdruck.
Das Unternehmen muss den massiven Ausbau von Rechenzentren finanzieren, um im KI-Rennen nicht den Anschluss zu verlieren. Im Oktober hatte CEO Sam Altman erklärt, man habe sich zu Ausgaben von über 1,4 Billionen Dollar verpflichtet.
Diese astronomische Summe beinhaltet Zahlungsverpflichtungen gegenüber Partnern wie Oracle. Die Monetarisierung der 800 Millionen wöchentlich aktiven Nutzer ist daher kein optionales Extra mehr, sondern überlebenswichtig.
Gleichzeitig bereitet sich das Unternehmen auf einen möglichen Börsengang vor und befindet sich Berichten zufolge in Gesprächen, um bis zu 100 Milliarden Dollar frisches Kapital einzuwerben. Die angepeilte Bewertung von 750 Milliarden Dollar lässt sich ohne massive neue Einnahmequellen wie das Werbegeschäft kaum rechtfertigen.

Die Konkurrenz wittert bereits Blut im Wasser
Analysten warnen bereits vor den Risiken dieses Manövers. Jeremy Goldman von Emarketer weist darauf hin, dass Nutzer bei störenden Anzeigen schnell zu Konkurrenten abwandern könnten.
Die Alternativen stehen bereit: Googles Gemini und Anthropic warten nur darauf, enttäuschte ChatGPT-Nutzer aufzufangen. Besonders Google setzt OpenAI technologisch unter Druck.
In jüngsten Vergleichstests hat der KI-Assistent Gemini die Angebote von OpenAI in mehreren Kategorien überholt. Sam Altman rief deshalb im Dezember intern „Code Red“ aus – die höchste Alarmstufe.
Ressourcen werden nun hektisch umgeschichtet, um die Qualität des Textroboters zu verbessern, während andere Projekte wie autonome KI-Agenten ins Hintertreffen geraten.
Vom Forschungslabor zur digitalen Litfaßsäule
Die ursprüngliche Mission, eine künstliche Superintelligenz (AGI) zum Wohle der Menschheit zu entwickeln, rückt immer weiter in den Hintergrund. Statt wissenschaftlicher Durchbrüche dominieren nun Produktankündigungen den Diskurs.
OpenAI diversifiziert aggressiv: Gesundheitsanwendungen für Krankenhäuser, Shopping-Funktionen und sogar Erotik-Chatbots stehen auf der Agenda.
Die Einführung des „Go“-Abos für acht Dollar pro Monat, das nun weltweit ausgerollt wird, ist ein weiterer Versuch, die Zahlungsbereitschaft im Massenmarkt abzuschöpfen.
Die Jagd nach der Superintelligenz ist teuer, und ab sofort zahlt der Nutzer nicht mehr nur mit seinen Daten, sondern auch mit seiner Aufmerksamkeit.


