Die Zahlen, die Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander präsentiert, sind ein fiskalisches Gewitter für den Standort Deutschland. Mit dem Fall der Beschäftigtenzahl unter die Marke von 3,8 Millionen ist die Branche auf den Stand von 2015 zurückgeworfen worden. Seit dem Höchststand im Jahr 2018 hat die Industrie bereits 270.000 Stellen verloren – ein schleichender Aderlass, der sich nun massiv beschleunigt.
Zander macht deutlich, dass Deutschland sich nicht mehr nur in einer konjunkturellen Delle befindet, sondern mitten in einer strukturellen Deindustrialisierung. Die Ursachen sind laut Verband ein toxischer Mix aus Standortfaktoren, die deutsche Unternehmen im globalen Wettbewerb ins Abseits stellen.

Die „Vier apokalyptischen Reiter“ des Standorts Deutschland
Laut Gesamtmetall leidet die Branche unter vier zentralen Belastungen, die Investitionen verhindern und den Stellenabbau forcieren:
- Energiekosten: Trotz einer leichten Entspannung im Vergleich zu den Vorjahren bleiben Strom- und Gaspreise im internationalen Vergleich (insbesondere gegenüber den USA und China) zu hoch für energieintensive Produktionen.
- Unternehmenssteuern: Die steuerliche Last bremst die Reinvestition von Gewinnen in neue Technologien.
- Lohnnebenkosten: Steigende Sozialabgaben treiben die Lohnstückkosten in Höhen, die viele Betriebe zur Verlagerung ins Ausland zwingen.
- Bürokratie-Wahnsinn: Zander kritisiert eine fehlende Systematik beim Bürokratieabbau und fordert drastische Kürzungen beim Personal in öffentlichen Verwaltungen.
Rüstungsboom als Blendwerk: Die reale Auftragslage ist „im Keller“
Zwar gab es im letzten Quartal 2025 ein statistisches Auftragsplus, doch Gesamtmetall warnt davor, sich davon täuschen zu lassen. Dieses Plus sei fast ausschließlich auf Großaufträge aus dem Verteidigungssektor zurückzuführen.
Bereinigt um diese staatlich finanzierten Rüstungsaufträge zeigt sich das wahre Bild: Die zivile Nachfrage – etwa aus dem Maschinenbau oder der Automobilzulieferindustrie – stagniert oder bricht ein. Die Branche befindet sich faktisch seit zwei Jahren in einer Rezession, die nun voll auf den Arbeitsmarkt durchschlägt.
Fazit: Ein Weckruf an die Politik
Die Warnung von Gesamtmetall ist ein direktes Signal an die Bundesregierung. Ohne eine systematische Senkung der Standortkosten und eine echte Entschlackung der Verwaltung droht Deutschland den Verlust seiner industriellen Basis. Der Wegfall von 150.000 hochbezahlten Industriearbeitsplätzen hätte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch massive soziale Folgen für die betroffenen Regionen.


