15. März, 2026

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Dax vor ruhiger Schlussphase des Jahres - Sprung über 17.000 Punkte könnte Bürde darstellen

Dax vor ruhiger Schlussphase des Jahres - Sprung über 17.000 Punkte könnte Bürde darstellen

Die Börsen könnten in den kommenden Tagen etwas ruhiger werden, nachdem die Notenbankwoche zu Ende ist und auf beiden Seiten des Atlantiks eine Rekordrally zu verzeichnen war. In der Schlussphase des Jahres könnten Einflüsse wie das Window Dressing wieder eine Rolle spielen, bevor die Festtage anbrechen. Für den Dax stellt der kurzzeitige Sprung über die 17.000-Punkte-Marke jedoch eine Bürde dar - nicht nur für den Rest dieses Jahres, sondern auch für das Jahr 2024.

Trotz aller Krisen geht mit 2023 ein erfolgreiches Jahr an den Kapitalmärkten zu Ende, wie die Landesbank Helaba in ihrem Wochenausblick feststellte. Fraglich ist jedoch, ob der Dax in den letzten Tagen des Jahres seine Rally fortsetzen und das Jahresplus von über 20 Prozent noch weiter ausbauen kann. Immerhin hat der Leitindex den Großteil dieser Gewinne erst seit Ende Oktober erzielt.

Die Charttechnik-Experten von Index-Radar betonten, dass das Eis langsam schmilzt und verwiesen darauf, dass es bereits im letzten Jahr eine späte Weihnachtskorrektur gegeben hatte. Damals war der Dax Mitte Dezember bis auf 14.675 Punkte gestiegen, fiel jedoch in den darauffolgenden Tagen auf 13.791 Punkte zurück - ein Minus von sechs Prozent.

Die Europäische Zentralbank konnte am Donnerstag die hohen Erwartungen an zukünftige Zinssenkungen nicht erfüllen, was möglicherweise bereits ein Vorzeichen für die kommenden Tage war. Die Experten von Index-Radar sprachen von weniger geldpolitischen Geschenken im Vergleich zur US-Notenbank Fed am Vortag. Nach dem Erreichen der 17.000-Punkte-Marke schloss der Dax am Donnerstag 1,5 Prozent unter dem Tageshoch. Anleger korrigierten ihre zu optimistischen Erwartungen in Bezug auf Zinssenkungen durch die EZB.

Der Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets bemerkte, dass der Dax mit dem Sprung über die 17.000 nicht nur ein Rekordhoch erreicht, sondern auch die Hürden überwunden hat, die die meisten Anleger vor einigen Wochen noch für unüberwindbar hielten. Kurzfristige Gewinnmitnahmen seien daher nicht überraschend. Molnar hält es für möglich, dass sich dies in der Vorweihnachtswoche dämpfend auf das Handelsgeschehen auswirken wird.

In der Schlussphase des Jahres könnte das sogenannte Window Dressing Einfluss auf einzelne Aktien haben, die in diesem Jahr besonders gut oder schlecht gelaufen sind. Dabei werden Aktien mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung gekauft, um im Jahresbericht des Fonds gut dazustehen. Die größten Verlierer hingegen werden verkauft, um diese Positionen im Jahresbericht zu vermeiden.

Im Dax scheinen die größten drei Verlierer bereits festzustehen: Zalando, Bayer und Siemens Energy liegen derzeit ganz hinten, mit Verlusten von über 30 Prozent. Um den Titel des größten Gewinners des Jahres konkurrieren derzeit vor allem Heidelberg Materials, Rheinmetall, Adidas und möglicherweise auch SAP. Die Überflieger des Dax sind jedoch die Aktien von Redcare Pharmacy, die sich aufgrund der Hoffnung auf das deutsche E-Rezept 2023 fast verdreifacht haben.

Obwohl die Agenda in den kommenden Tagen gut gefüllt ist, werden keine großen Höhepunkte erwartet. Die Sitzungen der meisten großen Notenbanken sind bereits abgeschlossen. Die Bank of Japan könnte jedoch am Mittwoch im Rampenlicht stehen, nachdem es Spekulationen über eine Abkehr von ihrem Negativzins gegeben hat. Die Experten der Helaba sind jedoch der Meinung, dass die Japaner wichtige Entscheidungen auf das Jahr 2024 verschieben.

In Bezug auf die Konjunktur werden die Augen in Deutschland am Montag auf den Ifo-Geschäftsklimaindex gerichtet sein. Experten gehen davon aus, dass sich der positive Trend fortsetzt. Am Dienstag dürfte die finale Revision der Verbraucherpreise in der Eurozone interessant sein. Außerdem stehen während der Woche noch einige US-Daten an, bevor das lange Feiertagswochenende beginnt. In Großbritannien wird beispielsweise am Freitag nur verkürzt gehandelt.

In Bezug auf Unternehmen könnte es vereinzelt noch einmal spannend werden. Am Montag werden Jahreszahlen des Elektronikhändlers Ceconomy und des SDax-Neulings Thyssenkrupp Nucera erwartet. Am Mittwoch warten die endgültigen Jahreszahlen von Aurubis und Hornbach Holding auf die Anleger. Darüber hinaus könnten die Geschäftszahlen des US-Konkurrenten Fedex am Mittwoch die DHL Group beeinflussen. Diese werden am Vorabend nach US-Börsenschluss veröffentlicht. Ähnliches gilt am Freitag für Adidas und Puma, aufgrund der Ergebnisse von Nike am späten Donnerstag.