Die jüngsten Zahlen des Nationalen Statistikamts unterstreichen die fragile Lage. Im Januar 2026 stiegen die Verbraucherpreise (CPI) im Vergleich zum Vorjahresmonat lediglich um 0,2 Prozent. Zwar ist dies eine leichte Verbesserung gegenüber der Stagnation des Vorjahres, doch das offizielle Inflationsziel von zwei Prozent bleibt in weiter Ferne. Besonders besorgniserregend: Die Erzeugerpreise (PPI) fielen im Januar um 1,4 Prozent – der 40. Rückgang in Folge.
Überkapazitäten und der „Export-Druck“
Die industrielle Basis Chinas produziert mehr, als der heimische Markt aufnehmen kann. Diese Überkapazitäten führen zu einem aggressiven Preiswettbewerb, der die Gewinnmargen der Unternehmen drückt. Um die Lager zu leeren, werden Waren zu Kampfpreisen auf den Weltmarkt geworfen. Dies erklärt den Rekord-Handelsüberschuss von fast 1,2 Billionen Dollar im Jahr 2025, sorgt aber international für wachsende Handelsspannungen, insbesondere mit Europa und den USA.
Das psychologische Barometer: Warum die Chinesen sparen
Trotz staatlicher Förderprogramme wie Einkaufsgutscheinen oder günstigeren Krediten bleibt der private Konsum das Sorgenkind. Mehrere Faktoren lähmen die Kauflust:
- Immobilienkrise: Da ein Großteil des privaten Vermögens in Immobilien gebunden ist, sorgt der anhaltende Preisverfall im Sektor für einen negativen Vermögenseffekt.
- Soziale Unsicherheit: Ein lückenhaftes Sozialversicherungssystem zwingt die Menschen zur „Vorsichtskasse“ für Alter und Krankheit.
- Lohnstagnation: In vielen Branchen stagnieren die Gehälter oder werden durch den harten Wettbewerb sogar gekürzt.
Regierungsstrategie 2026: Der neue Fünfjahresplan
Die chinesische Führung hat reagiert und im neuen Fünfjahresplan (2026–2030) den Fokus massiv auf den Dienstleistungskonsum und die Stärkung des Binnenmarktes gelegt. Programme wie „Shopping in China“ und verstärkte Subventionen für „smarte“ Produkte (Smartwatches, AR-Brillen) sollen neue Konsumanreize setzen.
Wirtschaftsprofessor Su Jian von der Universität Peking betont jedoch, dass strukturelle Reformen des Sozialsystems unumgänglich sind, um das Vertrauen der Verbraucher langfristig zurückzugewinnen. Nur wenn die Angst vor der Zukunft schwindet, wird aus dem Sparer wieder ein Konsument.

