Pekings Regulierungsbehörden üben gezielten Druck auf den Markt für US-Staatsanleihen aus
Die geopolitische Auseinandersetzung zwischen China und den USA erreicht eine neue Eskalationsstufe auf dem Finanzparkett. Aktuelle Berichte bestätigen, dass chinesische Regulierungsbehörden in Shanghai Finanzinstituten signalisiert haben, ihre Expositionsrisiken gegenüber US-Staatsanleihen signifikant zu reduzieren. Als offizielle Begründung werden die hohe Volatilität und Klumpenrisiken in dieser Anlageklasse angeführt.
Die Marktreaktion erfolgte prompt und unmissverständlich. Die Rendite für zehnjährige US-Anleihen kletterte um drei Basispunkte auf 4,23 Prozent, während die Kurse fielen. Parallel dazu verzeichnete der US-Dollar einen Wertverlust von 0,2 Prozent. Diese Korrelation verdeutlicht die direkte Abhängigkeit der US-Währung von der ausländischen Nachfrage nach US-Schuldtiteln.

Obwohl laut Insidern keine harten Zielvorgaben bezüglich Volumen oder Zeitrahmen kommuniziert wurden, ist das Signal an die Märkte fatal. Es suggeriert, dass der größte Gläubiger der USA das Vertrauen in den „Safe Haven“ US-Treasuries verliert oder diesen Status politisch instrumentalisiert.
Strukturelle Kapitalabflüsse aus dem Dollarraum manifestieren sich als langfristiger Trend
Die jüngste Maßnahme ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer langfristigen Strategie zur Entdollarisierung. China hat seine Bestände an US-Staatsanleihen im Jahresvergleich bis November 2025 bereits um rund 86 Milliarden US-Dollar auf 683 Milliarden US-Dollar reduziert. Parallel dazu werden Goldreserven massiv aufgestockt, um die Währungsreserven gegen US-Sanktionen immuner zu machen.
„Die Erwartung langfristiger struktureller Abflüsse aus dem Dollar ist nicht nur eine Fata Morgana. Vermögensverwalter mit Sitz in den USA, in Europa und jetzt auch in China stimmen möglicherweise mit den Füßen ab.“
Diese Einschätzung von Gareth Berry, Stratege bei der Macquarie Group, unterstreicht den Ernst der Lage. Auch Schwellenländer wie Indien und Brasilien diversifizieren ihre Portfolios aggressiver, insbesondere vor dem Hintergrund der politischen Unsicherheiten in den USA unter Präsident Donald Trump.
Die Währungsreserven werden zunehmend als geopolitisches Druckmittel eingesetzt
Das Timing dieser Maßnahmen ist brisant. Angesichts des fragilen Waffenstillstands im Handelskrieg und eines für April 2026 geplanten Treffens zwischen Donald Trump und Xi Jinping, könnten die Finanzströme als Verhandlungsmasse dienen. Ein koordinierter Abverkauf könnte die Finanzierungskosten der US-Regierung in die Höhe treiben und den Dollar massiv schwächen.

Zwar halten Japan und Großbritannien nominell höhere Bestände an US-Anleihen, doch als demokratische Verbündete der USA stellen sie kein strategisches Risiko dar. China hingegen nutzt seine ökonomische Hebelwirkung gezielt. Hinzu kommen rund 256 Milliarden Dollar in den Beständen Hongkongs, die faktisch unter der Kontrolle Pekings stehen.
„Der chinesische Staat und die chinesischen Banken haben unterschiedliche Ziele.“
Charu Chanana, Chef-Investmentstratege bei Saxo Capital Markets, warnt jedoch vor Panik. Er sieht in dem Schritt primär eine Risikodiversifikation und keinen totalen Rückzug. Tatsächlich haben Zuflüsse aus Norwegen, Kanada und Saudi-Arabien den chinesischen Rückzug bisher kompensiert, sodass die ausländischen Gesamtbestände im November Rekordniveaus erreichten.
Peking baut konsequent ein alternatives Währungs-Ökosystem auf
Hinter den Kulissen arbeitet China an einer Abkopplung vom Dollar-System. Über die „Belt and Road Initiative“ und das BRICS-Bündnis forciert Peking den Renminbi als Handelswährung. Das strategische Ziel ist eindeutig: Die Dominanz des US-Dollars als Weltleitwährung soll langfristig gebrochen werden.
Für Investoren bedeutet dies eine Zäsur. Die Ära, in der US-Staatsanleihen als risikofreies Basisinvestment galten, neigt sich dem Ende zu. Politische Risiken müssen in der Bewertung von US-Schuldtiteln nun permanent eingepreist werden.

