31. Januar, 2026

Finanzen

Cathie Woods gefährlicher Köder: Die SpaceX-Lüge des Berliner Fintechs Nao

Mit SpaceX und OpenAI lockt das Berliner Startup Nao Kleinanleger in ein neues Produkt. Doch hinter der Hochglanz-Fassade der Partnerschaft mit Cathie Wood verbirgt sich eine juristische Nebelkerze: Die beworbenen Firmen fehlen im Portfolio bisher komplett.

Cathie Woods gefährlicher Köder: Die SpaceX-Lüge des Berliner Fintechs Nao
Cathie Wood Partnerschaft bei Nao: Nur Marketing oder echte Chance? Warum der neue ELTIF für Kleinanleger zur Blackbox werden könnte.

Es klang wie der ultimative Befreiungsschlag für den deutschen Privatanleger. Mitte Januar verkündete Nao-Gründer Robin Binder mit großem Pathos eine „strategische Partnerschaft“ mit ARK Invest, der Investmentfirma der legendären Cathie Wood. Das Versprechen: Ab nur einem Euro können Normalverdiener dort investieren, wo sonst nur die globale Finanzelite zugelassen ist – bei den Giganten von morgen wie Elon Musks SpaceX oder dem KI-Pionier OpenAI.

Doch wer den Slogan „Dein Zugang zu bahnbrechenden Unternehmen“ beim Wort nimmt, landet unsanft auf dem harten Boden der Tatsachen. Ein Blick in das Kleingedruckte des sogenannten „ARK Private Innovation ELTIF“ offenbart ein Geschäftsmodell, das hart an der Grenze zur Irreführung operiert. SpaceX, OpenAI und Revolut – die Zugpferde der Marketingkampagne – sind in dem in Europa vertriebenen Produkt aktuell gar nicht enthalten.

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Marketing-Stunts mit fremden Federn

Die Masche ist so simpel wie dreist. Auf der Website und in sozialen Medien wirbt Nao aggressiv mit den Logos der weltweit begehrtesten Startups. Dass diese Unternehmen im US-Venture-Fonds von ARK Invest tatsächlich vertreten sind, dient Nao als Legitimation für die Werbung in Europa.

Doch der hier angebotene ELTIF (European Long-Term Investment Fund) ist eine völlig neue Hülle, die sich noch in der Zeichnungsphase befindet. Das bedeutet: Der Fonds sammelt gerade erst Geld ein. Welche Beteiligungen er am Ende tatsächlich hält, steht in den Sternen.

Nao rechtfertigt die prominente Nutzung der Logos auf Nachfrage als reine „Referenz“ für Cathie Woods vergangene Erfolge. Es handele sich nicht um eine Zusicherung konkreter Investments. Ein bemerkenswerter Euphemismus für eine Kampagne, die Kleinanleger mit dem direkten Versprechen ködert, Teil der SpaceX-Erfolgsstory zu werden.

Die Blackbox hinter dem ELTIF-Label

Dass ausgerechnet das Label ELTIF für diesen Marketing-Stunt genutzt wird, ist kein Zufall. Seit der Lockerung der EU-Regulierung Anfang 2024 boomen diese „European Long-Term Investment Funds“. Sie sollen den Zugang zu Private Markets demokratisieren.

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In der Praxis erweisen sie sich jedoch oft als Blackbox für Anleger. Im Fall von Nao investieren Kunden in ein Produkt, dessen künftiges Portfolio vollkommen unklar ist. Man kauft die Hoffnung auf künftige Deals, während die Werbung so tut, als säße man bereits am Kapitol von SpaceX.

Die Kritik an dieser Kommunikation scheint bei dem Fintech erst nach massivem medialem Druck anzukommen. Nachdem Fachmedien wie das manager magazin die irreführende Werbung thematisierten, passte Nao seine Website minimal an. Jetzt heißt es dort kleinteilig, ARK habe in diese Firmen „bereits investiert“ – ein schwacher Trost für Anleger, die glauben, ihr Euro würde nun direkt in eine Mars-Rakete fließen.

Robin Binders riskanter Ritt auf der Wood-Welle

Gründer Robin Binder, der seine Karriere bei der UniCredit begann und später ein Family Office leitete, setzt alles auf eine Karte. Er will Nao als den „Investment Club für alle“ positionieren. Die Partnerschaft mit Cathie Wood, inklusive eines schmeichelhaften Videogrußes der 70-jährigen Investorin, soll dem jungen Fintech institutionelle Weihen verleihen.

Doch der aggressive PR-Aufschlag könnte nach hinten losgehen. In der Finanzwelt ist Vertrauen die einzige harte Währung. Wer mit dem Namen SpaceX wirbt, ohne SpaceX im Depot zu haben, spielt mit der Glaubwürdigkeit der gesamten Plattform.

Besonders pikant: Während Nao mit der Transparenz bei Gebühren wirbt, bleibt die inhaltliche Transparenz des neuen ELTIF auf der Strecke. Anleger tragen das volle Risiko eines Blind Pools, während sie durch die geschickte Verknüpfung mit Woods US-Erfolgen in falscher Sicherheit gewiegt werden.

Wenn die Demokratisierung zur Falle wird

Der Fall Nao wirft ein Schlaglicht auf eine bedenkliche Entwicklung im Fintech-Sektor. Unter dem Deckmantel der „Demokratisierung von Geldanlagen“ werden zunehmend komplexe und riskante Produkte an ein Publikum vertrieben, das die Feinheiten zwischen einem US-Venture-Fonds und einem europäischen ELTIF kaum durchschauen kann.

Cathie Wood mag für disruptive Innovation stehen, doch in Berlin scheint man Innovation vor allem im Bereich des rechtssicheren Marketings gefunden zu haben. Am Ende bleibt für den Anleger die bittere Erkenntnis: Wo SpaceX draufsteht, muss bei Nao noch lange kein SpaceX drin sein.

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