Zahlen aus dem Reich der Mitte lesen sich wie ein wirtschaftliches Gruselkabinett. Im Januar 2026 meldete BYD einen Absatzeinbruch von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit nur noch rund 205.500 verkauften Einheiten lieferte der Branchenprimus den schwächsten Jahresauftakt seit 2020 ab. Der Grund für das Desaster: Peking hat den Stecker gezogen. Nach Jahren üppiger Unterstützung ist die E-Mobilität aus dem aktuellen Fünfjahresplan verschwunden, die Subventionen schmelzen wie Eis in der Sonne.
Doch während die Bären bereits den Abgesang auf den Tesla-Jäger anstimmen, setzt die Citigroup ein fettes Ausrufezeichen hinter die Aktie. Analyst Jeff Chung bleibt unerschütterlich bullish und sieht die Talsohle im ersten Quartal 2026 durchschritten. Sein Kursziel von 174 Hongkong-Dollar (HKD) wirkt wie ein Weckruf für die Anleger, die den Titel nach dem 40-Prozent-Rücksetzer vom Allzeithoch fast schon abgeschrieben hatten.

Die Strategie von BYD-Chef Wang Chuanfu ist so klar wie riskant: Wenn China schwächelt, muss die Welt herhalten. Der Konzern wandelt sich in Rekordtempo vom regionalen Champion zum globalen Imperium.
Die radikale Flucht nach vorn: 1,3 Millionen Export-Fahrzeuge sollen die Wende bringen
BYD hat keine Zeit für Wundenlecken. Der Fokus verschiebt sich mit brachialer Gewalt auf die Auslandsmärkte. Für das Jahr 2026 peilt der Konzern das ambitionierte Ziel von 1,3 Millionen verkauften Fahrzeugen außerhalb Chinas an – ein geplantes Wachstum von etwa 25 Prozent im internationalen Geschäft. Um dieses Ziel zu erreichen, rüstet BYD seine globale Infrastruktur in einem Tempo auf, das die Konkurrenz in Europa und den USA erzittern lässt.
In Ungarn wird 2026 das erste europäische Werk eröffnet, während in Mexiko bereits Verhandlungen über den Kauf einer riesigen Produktionsstätte mit einer Kapazität von 230.000 Fahrzeugen pro Jahr laufen. Es ist ein Spiel gegen die Zeit und gegen die drohenden Handelsbarrieren der EU und der USA. Durch die lokale Fertigung will BYD die Zölle umgehen und sich direkt im Herz der westlichen Automärkte festsetzen.
Premium-Angriff statt Preiskampf: Neue Flaggschiffe sollen die Margen retten
Doch Masse allein reicht nicht mehr. Da der Preiskrieg in China die Margen teilweise auf mickrige 1,4 Prozent zusammengeschmolzen hat, zielt BYD nun auf das lukrative Premium-Segment. Ende Februar und Anfang März werden die Preise für die neuen Flaggschiffe Seal 08 und Sealion 08 erwartet. Diese Modelle sollen nicht nur durch Technologie, sondern vor allem durch ordentliche Deckungsbeiträge glänzen.
Die Citi setzt genau auf diesen Produktzyklus. Analyst Chung geht davon aus, dass die neuen Modelle und Preise das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen werden. In Deutschland will BYD 2026 die Marke von 50.000 Neuzulassungen knacken – mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Es ist ein frontaler Angriff auf etablierte Marken wie Volkswagen und Mercedes-Benz.

Charttechnik-Krimi: Verteidigung der 50-Tage-Linie als letzte Bastion der Bullen
An der Börse wird der Kampf derzeit mit harten Bandagen geführt. Nach dem heftigen Abverkauf hat sich die Aktie zuletzt wieder stabilisiert und die psychologisch wichtige 50-Tage-Linie zurückerobert. Damit das Szenario der Citi aufgehen kann, muss das Papier nun über der Marke von 96,65 HKD (ca. 10,62 Euro) bleiben.
Gelingt diese Verteidigung, rückt die 100-Tage-Linie ins Visier. Ein Durchbruch dort wäre das endgültige Signal, dass BYD den „Winter“ im Heimatmarkt überstanden hat. Trotz der düsteren Januar-Zahlen raten 91 Prozent der Analysten weiterhin zum Kauf. Die Wette lautet: BYD wird zum „Toyota des globalen Elektro-Zeitalters“.
Frankreich, Mexiko, Ungarn – das Schlachtfeld von BYD ist nun der gesamte Globus. Wer jetzt einsteigt, setzt darauf, dass der Konzern die Transformation vom chinesischen Subventionskönig zum hocheffizienten Weltmarktführer meistert.

