Eine unerwartete Beschleunigung des Preisniveaus in den Vereinigten Staaten hat am Mittwoch Druck auf die Kurse deutscher Bundesanleihen ausgeübt. Der Euro-Bund-Future, eine maßgebliche Referenz für deutsche Staatsanleihen, gab um 0,50 Prozent auf 131,88 Punkte nach. Gleichzeitig kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 2,41 Prozent, im Einklang mit einem generellen Anstieg der Renditen im Euro-Raum.
Speziell die am Nachmittag publizierten US-Inflationszahlen ließen Anleger innehalten: Mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat wurde der März zum Schauplatz einer stärker als erwarteten Inflation. Diese Zahlen übertrafen die prognostizierten 3,4 Prozent und hinterließen damit ein deutlich spürbares Signal auf den Anleihemärkten. Im Vormonat lag der Preisauftrieb noch bei moderateren 3,2 Prozent.
Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, äußerte sich metaphorisch zum Inflationsgeschehen: "Die letzte Meile ist die schwierigste." Er verweist damit auf die Hartnäckigkeit inflationärer Tendenzen. Diese aktuellen Werte sind für die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) von entscheidender Bedeutung, die bislang eine stabile Linie bei den Leitzinsen gefahren hat. In Anbetracht der Datenlage werden am Markt vorgezogene Zinssenkungen immer unwahrscheinlicher.
Auch die Experten der Commerzbank korrigieren ihre Einschätzung und sehen von einer nahe liegenden Senkung der Leitzinsen im Juni ab. Vielmehr erwarten sie angesichts der ungelösten Inflationsproblematik eine langsamer stattfindende Anpassung der Zinssätze, statt eines klassischen Zinssenkungszyklus. Anders stellt sich die Situation in der Eurozone dar, wo trotz schwächerer Wirtschaftsentwicklung weiterhin mit einer Senkung der Zinsen im Juni gerechnet wird.