01. Januar, 2026

Wirtschaft

Bulgarien führt den Euro ein: Potenziale und Herausforderungen einer neuen Ära

Mit Beginn des Jahres hat Bulgarien einen bedeutenden wirtschaftlichen und politischen Schritt vollzogen, indem es den Lew durch den Euro als offizielles Zahlungsmittel abgelöst hat. Damit reiht sich das Land als das 21. Mitglied der Europäischen Union ein, das die Gemeinschaftswährung übernimmt. Der Euro, dessen Akzeptanz über die EU-Mitgliedstaaten hinausreicht, ist auch in europäischen autonomen Zwergstaaten wie Andorra, Monaco, San Marino und dem Vatikanstaat gültig. Darüber hinaus haben Montenegro und Kosovo den Euro eingeführt, obwohl sie keine Mitglieder der EU sind.

Die Einführung des Euro wird maßgeblich durch das bulgarische Finanzministerium und die Nationale Bank Bulgariens (BNB) unterstützt. Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass die Umstellung vor allem dem Tourismus und den internationalen Handelsbeziehungen bulgarischer Unternehmen zugutekommen wird. Touristen in Bulgarien profitieren von der Abschaffung des Währungsumtausches und damit verbundenen Gebühren, was auch Kartenzahlungen erleichtert. Der festgelegte Umrechnungskurs von 1,95583 Lew pro Euro knüpft an den historischen Wert an, der einst beim Übergang von der D-Mark zum Euro übernommen wurde.

Trotz dieser potenziellen Vorteile ist die Skepsis innerhalb der bulgarischen Bevölkerung spürbar. Als eines der wirtschaftlich schwächeren EU-Mitgliedsländer äußern viele Bürger die Besorgnis, dass die Euro-Einführung zu erheblichen Anstiegen der Lebenshaltungskosten führen könnte. Daneben wird die Sorge geäußert, dass Bulgarien möglicherweise an nationaler Souveränität verlieren könnte.

In seiner Neujahrsansprache kritisierte Staatspräsident Rumen Radew die Entscheidung der bulgarischen Regierung, die Währungsumstellung ohne eine vorherige Volksabstimmung durchzuführen. Er bemängelte, dass "die Regierenden die Stimme des Volkes nicht hören wollten", nachdem ein Antrag auf ein Referendum von der prowestlichen Parlamentsmehrheit abgelehnt worden war. Diese Bedenken spiegeln die ambivalenten Gefühle wider, die mit der Einführung einer neuen Währung in der Bevölkerung einhergehen.

Gleichzeitig betonte Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), die Vorteile der Eurozonen-Mitgliedschaft für Bulgarien. In ihrer Ansprache anlässlich der Einführung des Euro hob Lagarde die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile hervor und erklärte: "Der Euro ist ein starkes Symbol unserer kollektiven Stärke und unserer gemeinsamen Werte, die uns dabei helfen, die aktuellen globalen geopolitischen Unsicherheiten zu bewältigen." Die EZB ist überzeugt davon, dass die Aufnahme Bulgariens in die Eurozone langfristig zu Wohlstand und Stabilität im Land beitragen wird.