Die diesjährige US-Präsidentschaftswahl und eine ekstatische Rave-Party unweit der britischen M25-Autobahn hatten überraschend etwas gemeinsam: einen Hauch von "brat". Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, der nicht nur Musikfans, sondern auch politische Beobachter in diesem Jahr in Aufregung versetzte?
"Brat" ist der Titel des sechsten Albums der britischen Pop-Sensation Charli XCX, das im Juni herauskam und eine Grammy-Nominierung einheimste. Musik, die sich durch schneidende Synthesizer und basslastige Beats auszeichnet, welche den inneren "365-Party-Menschen" zum Vorschein bringen sollen. Doch "brat" ist mehr als nur ein Album – es ist ein Lebensgefühl. Im Jahr einer von Gefühlslagen geprägten US-Wahl bot es der demokratischen Partei einen Funken Hoffnung. Charli XCXs wortstarke Unterstützung für Kamala Harris mit ihrem Tweet "kamala IS brat" hauchte der ins Stocken geratenen Kampagne neues Leben ein. Die Verwendung des Albums und seines knalligen, giftgrünen Covers in der Wahlkampagne von Harris weckte kurzfristig die Hoffnungen der Gen Z. Doch mit dem November verflüchtigten sich die "Vibes" und die Realität der Wahlstimmen trat wieder in den Vordergrund.
Der enorme Erfolg des Albums und seines unkonventionellen Stils könnte die Rückkehr der sogenannten "Rezesions-Pop"-Ära ankündigen – Tanzmusik aus den 2000er und 2010er Jahren, die unerschütterlichen Optimismus in Zeiten finanzieller Not verbreitete. Inmitten der steigenden Lebenshaltungskosten stellt "brat" für die Generation Z ein Heilmittel gegen die gesellschaftlichen Probleme dar. Warum sich um steigende Studiengebühren und einen schwierigen Arbeitsmarkt sorgen, wenn laut "brat" ein "Päckchen Zigaretten, ein Bic-Feuerzeug und ein weißes Trägertop" für gute Laune ausreichen?