Der britische Energie-Gigant BP sieht sich derzeit vor einer Reihe von wirtschaftlichen Herausforderungen, die die Finanzlage des Unternehmens stark belasten könnten. Zum Ende des letzten Geschäftsquartals prognostiziert BP erhebliche Wertminderungen, insbesondere im Bereich Gas sowie bei alternativen, weniger CO2-intensiven Energieformen. Dazu zählen Wasserstoff und Biokraftstoffe, wobei hier Abschreibungen im Umfang von 4 bis 5 Milliarden US-Dollar erwartet werden. Bemerkenswerterweise wurden bisher keine spezifischen Informationen über die einzelnen betroffenen Projekte veröffentlicht, die zu dieser finanziellen Belastung führen.
Innerhalb des traditionellen Ölsektors zeigt sich ein ähnlich schwieriges Bild, insbesondere gegen Ende des Jahres. Die durchschnittlich niedrigeren Ölpreise führten zu einer träge verlaufenden Marktentwicklung, die sich auch im Rückgang des BP-Aktienwerts um nahezu ein Prozent an der Londoner Börse widerspiegelt. Branchenanalysten wie Mark Wilson von Jefferies äußern Bedenken, dass BP hinter den Markterwartungen zurückbleiben könnte, selbst wenn die Produktionszahlen im vierten Quartal stabil im Vergleich zum Vorquartal bleiben. Zusätzliche Komplikationen stellen Verzögerungen bei Preisabsprachen in der Golfregion Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten dar.
Die Meinungen zu BP's künftiger Entwicklung sind kontrastreich. Während einige Experten wie Lydia Rainforth von Barclays die Situation als neutral einschätzen, sehen andere ein mögliches Abwärtspotenzial. Positiv zu vermerken ist allerdings die zurückgegangene Nettoverschuldung des Unternehmens. Biraj Borkhataria von RBC betrachtet die umfassenden Abschreibungen als notwendige Bereinigungsmaßnahme, die unter der neuen Führung unausweichlich ist. Mögliche strategische Schritte könnten in der Kürzung von Aktienrückkaufprogrammen und einem verstärkten Fokus auf den Schuldenabbau liegen.
Der Druck auf BP verstärkt sich zudem durch jüngste Führungswechsel. Nach dem Rücktritt von Murray Auchincloss als CEO, der das Unternehmen in eine neue Richtung führen wollte, nimmt nun Meg O'Neil diese Herausforderung an. Der Übergang zu einer erfolgreicheren Unternehmensstruktur wird als dringlich angesehen, zumal der Einfluss aktivistischer Investoren, inklusive Elliott, die höhere Investitionen in das traditionelle Öl- und Gasgeschäft fordern, unverändert stark bleibt. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die bevorstehende Veröffentlichung der Quartalszahlen am 10. Februar, die weiteren Aufschluss über die finanzielle Lage und Zukunftspläne des Unternehmens geben dürfte.