Gold hat 2025 geliefert, was viele Jahre nur versprochen hatten: einen klaren Schutz vor fiskalischer Überdehnung, politischer Erosion und schwindendem Vertrauen in Papierwährungen. Der Preisanstieg von rund 60 Prozent auf über 4.000 US-Dollar je Feinunze war historisch – und aus Sicht von BlackRock alles andere als ein Ausreißer.

Tom Holl, Managing Director und Portfoliomanager bei BlackRock Fundamental Equities, spricht von einem Markt, der nicht spekulativ überhitzt ist, sondern von strukturellen Kräften getragen wird. Genau diese Kräfte rücken nun in den Fokus der Investoren, die 2025 zwar beobachtet, aber vielfach nicht gehandelt haben.
Staatsschulden untergraben das Vertrauen in klassische Sicherheiten
Der wichtigste Treiber der Goldnachfrage bleibt die globale Verschuldung. Allein die USA überschritten Ende 2025 die Marke von 35 Billionen US-Dollar Staatsschulden. Das Haushaltsdefizit lag bei rund 1,8 Billionen Dollar, während die Zinszahlungen inzwischen 13 Prozent der gesamten Staatsausgaben ausmachen – mehr als in praktisch allen anderen großen Industrieländern.
Diese Dynamik verändert die Wahrnehmung klassischer sicherer Häfen. Staatsanleihen verlieren an Attraktivität, weil Regierungen faktisch darauf angewiesen sind, die Zinsen niedrig zu halten. Negative Realrenditen werden damit nicht zur Ausnahme, sondern zur Systembedingung. Gold profitiert davon unmittelbar.
Hinzu kommen die impliziten Verbindlichkeiten, die in offiziellen Schuldenstatistiken kaum sichtbar sind. Renten- und Pensionsverpflichtungen erreichen in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien ein Mehrfaches des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts. Die fiskalische Manövrierfähigkeit schrumpft – und mit ihr das Vertrauen in die langfristige Stabilität von Fiatwährungen.
Politische Unsicherheit schwächt den US-Dollar zusätzlich
Neben der Schuldenfrage wirkt die politische Dimension als Verstärker. Zweifel an der institutionellen Stabilität der USA, insbesondere an der Unabhängigkeit der Notenbank und an der Verlässlichkeit wirtschaftspolitischer Leitplanken, belasten den Dollar als Reservewährung.
Für Investoren entsteht daraus ein neues Spannungsfeld: Der US-Dollar bleibt zentral, aber nicht mehr alternativlos. Gold nimmt in diesem Umfeld die Rolle eines neutralen Wertspeichers ein – ohne Emittentenrisiko, ohne politische Bindung, ohne Laufzeit.

BlackRock beschreibt Gold treffend als inflationsgeschützte Nullkupon-Anleihe ohne Endfälligkeit. In einer Welt strukturell niedriger Realzinsen ist das kein Nachteil, sondern ein Wettbewerbsvorteil.
Zentralbanken treiben die Nachfrage weiter an
Ein besonders stabiler Nachfrageblock sind die Zentralbanken. Ende 2025 hielten sie rund 20 Prozent des weltweit jemals geförderten Goldes. Erstmals seit den 1990er-Jahren übertraf Gold in den globalen Währungsreserven den Anteil von US-Staatsanleihen.
Allein im dritten Quartal 2025 kauften Zentralbanken netto 634 Tonnen Gold. Zwar lag das Volumen unter den Extremwerten der Vorjahre, blieb aber deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Eine Umfrage unter Währungsbehörden zeigt, wie nachhaltig dieser Trend ist: 95 Prozent der Zentralbanken erwarten 2026 weiter steigende Goldreserven.
Gerade Schwellenländer wie China oder Brasilien halten bislang weniger als zehn Prozent ihrer Reserven in Gold. Der Spielraum für weitere Umschichtungen ist erheblich – und wirkt wie ein langfristiger Preissockel.
Gold ist gefragt, aber nicht überlaufen
Trotz der Rally ist Gold aus Sicht von BlackRock kein überfüllter Trade. Ein Blick auf die Positionierung bestätigt das. Die Netto-Long-Positionen an der Terminbörse COMEX sanken sogar während des Preisanstiegs. Der Markt wurde nicht von spekulativem Überschwang getragen, sondern von realer Nachfrage.
Auch bei börsengehandelten Fonds zeigt sich ein differenziertes Bild. Physisch hinterlegte Gold-ETFs verzeichneten 2025 kontinuierliche Zuflüsse, die Bestände erreichten im November mit knapp 3.932 Tonnen einen neuen Höchststand. Gleichzeitig blieb das Interesse an Goldminenaktien verhalten – ein auffälliger Widerspruch angesichts der operativen Entwicklung der Branche.
Goldminen rücken stärker in den Fokus der Fundamentalanalyse
Während der Goldpreis 2025 das Narrativ dominierte, verschiebt sich der Fokus nun auf die Unternehmen selbst. Der FTSE Gold Mines Index legte im vergangenen Jahr um rund 164 Prozent zu. Möglich wurde das durch hohe Goldpreise, vergleichsweise stabile Förderkosten und eine neue Kapitaldisziplin der Produzenten.
Die Margen erreichten Rekordniveaus. Anders als in früheren Zyklen verzichteten viele Unternehmen jedoch auf aggressive Expansion. Investitionen wurden selektiver, Ausschüttungen an Aktionäre höher. Genau diese Disziplin sieht BlackRock als Schlüssel für die Entwicklung ab 2026.
Die Branche steht vor strukturellen Engpässen. Hochwertige Lagerstätten sind rar, die Explorationspipeline dünn. Statt teurer Neuentwicklungen rücken Übernahmen in den Vordergrund. M&A wird zur effizienteren Wachstumsstrategie – mit unmittelbaren Effekten auf Skaleneffekte und Kostenstrukturen.
Bewertungstechnisch bleiben Goldminen trotz der Kursgewinne moderat. Viele Titel handeln unter ihren historischen Multiplikatoren, gestützt von soliden Bilanzen und hoher Cash-Generierung. Der Markt honoriert diese Qualität bislang nur zögerlich.
Gold bleibt ein Spiegel fiskalischer Realität
Für 2026 erwartet BlackRock kein abruptes Ende der Goldhausse, sondern eine Fortsetzung unter veränderten Vorzeichen. Weniger Momentum, mehr Fundamentaldaten. Weniger Spekulation, mehr Struktur.
Die globalen Schuldenprobleme sind ungelöst, politische Unsicherheit bleibt hoch, und Zentralbanken setzen ihre Diversifikation fort. Gold spiegelt diese Realität – nüchtern, wertstabil und zunehmend unverzichtbar im Portfolio.
Wer 2025 nur zugesehen hat, dürfte 2026 genauer hinsehen. Nicht aus Euphorie, sondern aus Notwendigkeit.



