29. November, 2025

Krypto

Bitcoin taumelt durch die eigenen Extreme

Der Crash legt die strukturellen Schwächen des Marktes offen – und zeigt, wie eng die Kryptowelt inzwischen mit makroökonomischen Hoffnungen verknüpft ist.

Bitcoin taumelt durch die eigenen Extreme
Trotz Erholung bleibt der Kryptomarkt angespannt: technische Warnsignale und Kapitalabflüsse dominieren.

Der Einbruch kam in Sekundenbruchteilen. Als US-Präsident Donald Trump am 10. Oktober neue Zölle gegen China ankündigte, verwandelte sich ein bis dahin euphorischer Kryptomarkt in ein Hochrisikogebiet. Binnen Stunden rutschte der Bitcoin um rund 15 Prozent ab – ein Vorgeschmack auf den darauffolgenden 30-Prozent-Crash, der das Rekordhoch von knapp 126.000 Dollar in weite Ferne rücken ließ.

Die Ursache lag weniger in der geopolitischen Nachricht selbst als in der Struktur des Marktes. Kaum ein anderer Handelsplatz ist ähnlich stark von Derivaten durchzogen. Milliarden sind dort in gehebelten Wetten auf kurzfristige Kursbewegungen gebunden. Fällt der Kurs unter zentrale Marken, greifen automatisierte Zwangsliquidationen. Genau das geschah am 10. Oktober: 19 Milliarden Dollar an Positionen wurden aus dem Markt gespült – ein einmaliges Volumen, das die Abwärtsbewegung dramatisch beschleunigte.

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Der Blick auf die Liquidationsbereiche zeigt, wie eng Händler den Markt inzwischen eingrenzen. Unterhalb des damaligen Kurses lagen über Wochen massenhaft Call-Optionen – ein Cluster blinden Optimismus. Als der Preis unter die Ausübungsschwellen fiel, löste er eine Kettenreaktion aus. Heute wirkt die Verteilung der Positionen zurückhaltender. Die großen Blöcke liegen zwischen 95.000 und 100.000 Dollar sowie um 120.000 Dollar. Steigt der Bitcoin über diese Zonen, könnte ein Short-Squeeze einsetzen. Doch die entscheidende Frage bleibt: Würde ein technisch erzwungener Kaufimpuls wirklich breite Nachfrage erzeugen – oder nur eine weitere Momentbewegung in einem überhitzten Ökosystem?

Technische Signale setzen den Markt unter Druck

Der Chart wirkt angeschlagen. Schon Ende September unterschritt die 50-Tage-Linie die 100-Tage-Linie – ein frühes Warnsignal. Am 16. November folgte der entscheidende Bruch: das „Todeskreuz“, der Moment, in dem der 50-Tage-Trend die 200-Tage-Linie von oben durchschneidet.

Für technikorientierte Händler ist dieses Muster ein Hinweis auf einen längeren Abwärtstrend. Die Linien entfernen sich seit Wochen weiter voneinander. Das zeigt: Der Markt hat nach dem ersten Schock keinen überzeugenden Erholungsversuch gestartet. Stattdessen bestätigt jede neue Kursbewegung den übergeordneten Trend nach unten.

Solche Muster sind nicht unfehlbar. Doch sie entfalten gerade im Kryptobereich eine selbstverstärkende Kraft, weil viele automatisierte Strategien auf diesen Signalen basieren. Sobald ein Trend kippt, handeln Maschinen, bevor Menschen überhaupt nachdenken.

Die Stimmung bleibt frostig

Bitcoin hat keine Bilanzen und keine Quartalsberichte. Sein Preis spiegelt vor allem Psychologie. Eine Messlatte dafür ist der Fear-and-Greed-Index, der derzeit tief im Bereich „Angst“ steht. Werte zwischen 10 und 22 zeigen, wie verunsichert der Markt trotz der jüngsten Erholung auf knapp über 91.000 Dollar ist.

Auffällig ist, wie gleichmäßig der Index zuletzt verlief. Die früher typischen Ausreißer – Tage voller Euphorie gefolgt von Panik – sind einer stabil wirkenden Skepsis gewichen. Das markiert einen seltenen Zustand: hohe Unsicherheit, aber wenig kurzfristige Überreaktion. Die Marktteilnehmer wirken müde, nicht panisch.

Der ETF-Boom trifft auf seine Schattenseiten

Das Jahr 2025 hätte ein Triumphzug werden können. Mit der Zulassung großer Bitcoin-ETFs im Vorjahr, darunter BlackRocks iShares Bitcoin Trust mit inzwischen mehr als 65 Milliarden Dollar Volumen, bekam der Markt den lange ersehnten Zugang zur breiten Anlegerschaft. Die Idee: institutionelles Kapital sorgt für Stabilität.

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Doch genau dieser Mechanismus dreht sich inzwischen um. Die Zuflüsse erreichten kurz vor dem Allzeithoch ihren Höhepunkt – ein klassisches Spätphasenmuster. Seit Anfang November ziehen Anleger Mittel aus Bitcoin-Produkten ab, nicht nur aus ETFs, sondern über den gesamten Markt hinweg. Die erstmals sichtbare, breite Trendumkehr zeigt, wie schnell der vermeintlich stabilisierende ETF-Kanal zum Belastungsfaktor werden kann, wenn sich die Richtung ändert.

Der Leitindex zieht die Branche mit nach unten

Dass Bitcoin das Geschehen dominiert, zeigt sich an den Bewegungen anderer großer Coins. Ether, Solana und selbst Dogecoin reagierten im Jahresverlauf teils heftiger als der Marktführer. Doch seit dem Oktober-Schock laufen die Kurven nahezu synchron. Die Korrelation bleibt hoch: Gibt der Bitcoin nach, folgt der Rest.

Interessant wird die Lage daher erst, wenn Bitcoin eine nachhaltige Trendwende gelingt. Die Erfahrung aus dem Frühjahr zeigt: Erholt sich der Leitwert, ziehen die kleineren Tokens verzögert, aber oft mit größerer Dynamik nach. Bleibt der Bitcoin jedoch schwach, fehlt dem gesamten Markt der Anker.

Eine extrem gesetzte Wette gerät ins Wanken

Kaum ein Unternehmen verkörpert die Euphorie der vergangenen Jahre so stark wie Strategy, ehemals MicroStrategy. Firmengründer Michael Saylor verwandelte das Softwarehaus in eine hochverschuldete Bitcoin-Wette. 650.000 Coins hält das Unternehmen – finanziert über Kredite, deren Zinslast jedes Jahr in die Millionen geht.

Solange der Kurs stieg, funktionierte die Strategie: Der Markt zahlte für die Aktie einen deutlichen Aufschlag auf den reinen Bitcoin-Wert. Doch mit dem Crash hat sich das Verhältnis gedreht. Strategy ist inzwischen weniger wert als die eigenen Bitcoin-Bestände. Zwar liegt der Kurs noch über dem Einstiegspreis von rund 74.000 Dollar pro Coin, doch die Pufferzone schrumpft. Wenn der Markt schwach bleibt, trifft es Strategy härter als fast jeden anderen Akteur. Der Hebel, der jahrelang für spektakuläre Gewinne sorgte, könnte sich nun gegen das Unternehmen richten.

Das Ende eines Ausnahmezustands

Die letzten Wochen haben vor allem eines offenbart: Der Kryptomarkt lebt von Extremen – extremen Erwartungen, extremen Hebeln, extremen Abhängigkeiten von wenigen Stimmungs- und Politikimpulsen. Die Erholung des Bitcoin mag kurzfristig Hoffnung liefern. Doch im Hintergrund arbeitet ein Markt, der seine eigene Fragilität schonungslos offenlegt.

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