Die strategischen Divergenzen zwischen den Parteien der Vereinigten Staaten könnten kaum größer sein, doch eines verbindet: das Engagement für die NATO. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner in ihrer Unterstützung für das transatlantische Bündnis konvergierten – ein Faktor, der zur Durchhaltekraft der amerikanischen Abschreckungspolitik während des Kalten Krieges beitrug.
Die demokratischen Wahlplattformen, wie etwa die von 1984, plädierten für eine verstärkte konventionelle Kriegsführungskompetenz, um die Abhängigkeit vom nuklearen Abschreckungspotential zu verringern und betonten die Wichtigkeit der engen Konsultation mit NATO-Partnern. Die Republikaner warnten ihrerseits vor einer Schwächung der NATO durch sowjetische Militäraufbaupläne und Subversionstaktiken und riefen zu einer Stärkung des Bündnisses auf.
Die aktuellen politischen Entwicklungen jedoch offenbaren eine polarisierte Ernsthaftigkeit innerhalb der Parteien. In einem aktuellen Interview mit Eric Cortellessa von Time Magazine bekräftigte Donald Trump seine früheren Aussagen, dass Länder, die das NATO-Ziel von 2 Prozent des BIP für Militärausgaben nicht erreichen, von Russland tun lassen können, 'was auch immer sie wollen'. Trump sieht dies als Verhandlungstaktik: 'Wenn ihr nicht zahlt, seid ihr auf euch allein gestellt', so seine Worte.
Während die Aufforderung an europäische Nationen, mehr für ihre eigene Verteidigung zu zahlen, durchaus legitim scheint – immerhin war dies auch ein Bestandteil der Demokratischen Plattform von 1984 und das 2-Prozent-Ziel wurde unter Barack Obama ausgehandelt –, birgt die Positionierung Trumps das Risiko, die NATO selbst zu zerstören, indem sie Putin temporäre Zielscheiben bietet.
Die jüngste Vereinbarung des republikanischen Sprechers Mike Johnson mit Präsident Biden, die eine zusätzliche Finanzierung für die Ukraine, Taiwan und Israel vorsieht, nährt die Hoffnung auf eine Rückkehr der Republikaner zu alter Stärke. Doch solange Trump als Kandidat auftritt, stehen die Wähler vor einer Wahl zwischen einer durchdachten Strategie und einem Wutanfall – eine Entscheidung, der sich jeder bewusst sein sollte.