Die aktuellen Entwicklungen in Berlin verdeutlichen, dass die angestrebte Normalisierung der Verhältnisse in der Hauptstadt noch nicht erreicht ist. Nach dem weitreichenden Stromausfall hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner eine "schonungslose Analyse" des bisherigen Krisenmanagements angekündigt. Wegner sieht sich mit wachsender Kritik konfrontiert. Insbesondere sein Tennismatch während der Krise sorgte für Unmut und bringt ihn unter verstärkten politischen Druck.
Ein weiterer potenzieller Krisenherd könnte sich durch eine bevorstehende Sturmfront auftun, die das städtische Leben weiter beeinträchtigen könnte. Die Sorgen um die Stabilität der städtischen Infrastruktur werden durch die anhaltende Bedrohung möglicher Brandanschläge noch verschärft. Jüngste Drohungen führten zu einem Polizeieinsatz in Marzahn-Hellersdorf, der jedoch keine unmittelbaren Gefahren ergab, wie erste Ermittlungen an elf überprüften Standorten zeigten.
Der Regierende Bürgermeister sieht trotz der Forderungen nach seinem Rücktritt, insbesondere seitens der AfD und der FDP, keinen Anlass, sich für seinen Tennissport zu entschuldigen. Dies, obwohl eingeräumt wurde, dass die Informationspolitik in der Krise verbesserungswürdig war. Die schnelle Wiederherstellung des Stromnetzes wird als Argument zur Verteidigung seiner Position angeführt.
Trotz dieser Maßnahmen reißen die kritischen Stimmen aus den eigenen Reihen nicht ab. Auch Mitglieder der koalierenden SPD teilen den Unmut. Besonders hervorgehoben wird die Kritik der Grünen-Bundesspitzenpolitikerin Bettina Jarasch, die Zweifel an Wegners Belastbarkeit im Umgang mit der Krise äußert.
Die bevorstehende Wahl des neuen Landesparlaments Ende September könnte entscheidend für Wegners politische Laufbahn sein. In Vorbereitung darauf plant er, am kommenden Donnerstag eine Regierungserklärung abzugeben, in der er versichern will, umfassende Maßnahmen zur stärkeren Absicherung der Infrastruktur, insbesondere des Stromnetzes, zu ergreifen.