In Frankreich hat die Minderheitsregierung unter der Führung von Premierminister Sébastien Lecornu einen entscheidenden politischen Wendepunkt erreicht, nachdem sie die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem diesjährigen Staatshaushalt meisterte. Trotz erheblichem Widerstand aus den Reihen der Opposition gelang es dem Mitte-Kabinett, in der Nationalversammlung mit 260 respektive 135 Stimmen das Vertrauen der Abgeordneten zu sichern. Dadurch wurde der Haushalt für das Jahr 2026 offiziell verabschiedet und die Regierung behält ihre Stabilität – ein bedeutendes Ereignis nach einer langen Phase der Unsicherheit.
Die Abstimmungen wurden von der linken Oppositionskoalition, zu der auch die Grünen und Kommunisten gehören, sowie von Marine Le Pens rechtsnationaler Partei vorangetrieben. Der zentrale Streitpunkt war die Umgehung einer abschließenden Abstimmung durch die Anwendung eines verfassungsrechtlichen Sonderartikels, den Premierminister Lecornu trotz seiner vorherigen Zusicherungen, dieses Vorgehen zu vermeiden, letztlich doch in Anspruch nehmen musste. Der fehlende Wille der Opposition zur Kompromissbereitschaft machte diesen unkonventionellen, jedoch notwendigen Schritt unausweichlich.
Die finanzpolitischen Pläne der Regierung zielen darauf ab, das Haushaltsdefizit Frankreichs auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Während dieses Ziel als weniger ambitioniert angesehen werden könnte, stellt es dennoch ein positives Signal sowohl an die Europäische Union als auch an die heimische Wirtschaft dar. Frankreich steht unter einem EU-Defizitverfahren, was zusätzlichen Druck auf Premierminister Lecornu ausübte, pragmatische und nachhaltige Lösungen zu finden.
Mit der jüngst erreichten Stabilisierung kann sich Premierminister Lecornu, der zuvor bereits vier Misstrauensanträge erfolgreich überstanden hat, nun anderen dringenden Angelegenheiten der Regierungspolitik zuwenden. Eine Kabinettsumbildung deutet sich am Horizont an, da mehrere Minister, darunter die Kulturministerin Rachida Dati, ihre Kandidaturen für die bevorstehenden Kommunalwahlen angekündigt haben. Diese Phase der politischen Konsolidierung schafft Raum für neue Initiativen und Impulse unter der Ägide eines engen Vertrauten von Präsident Emmanuel Macron.