Der Chef der größten US-Bank, JPMorgan Chase, Jamie Dimon, hat jüngst mehrfach darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, eine Stagflation zu erleben – ein Phänomen, bei dem das Wirtschaftswachstum stagniert und die Inflation ansteigt. Angesichts der außergewöhnlichen fiskal- und geldpolitischen Stimuli der letzten Jahre sei es nahezu unmöglich, dass die USA nicht in eine solche Lage geraten, äußerte Dimon auf einer Konferenz im Mai.
Allerdings wurden seine Warnungen von führenden Wirtschaftsexperten, darunter Jerome Powell, Vorsitzender der Federal Reserve, zurückgewiesen. Powell bemerkte, er sehe weder Anzeichen für ein stagnierendes Wachstum noch für eine aufkommende Inflation in den aktuellen Daten.
Mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten könnten sich diese Bedingungen jedoch ändern. Trump plant, nach seiner Amtseinführung ab dem 20. Januar umfangreiche Zölle zu erheben. Versprochen hat er 25% Zölle auf Importe aus Mexiko und Kanada und weitere 10% auf chinesische Waren. Auf dem Wahlkampfpfad hatte er sogar angedeutet, sämtliche Importe mit einem Aufschlag von 10% bis 20% zu versehen und Zölle auf chinesische Waren um mindestens 60% zu erhöhen.
Es bleibt abzuwarten, ob Trump diese Pläne tatsächlich umsetzen wird oder sie als Verhandlungsbasis mit anderen Nationen nutzt. Sollten diese umfassenden Zölle jedoch Realität werden, könnte die US-Wirtschaft in eine schwierige Phase zurückfallen, ähnlich der belastenden Stagflation der 1970er Jahre.
Powell erinnert an die Erfahrungen dieser Zeit, als die Arbeitslosenquote 10% erreichte, die Inflation hohe einstellige Werte annahm und das Wachstum stagnierte. Die damalige Ölkrise führte zu einer Spirale von Inflation und Arbeitslosigkeit, die die Fed nur durch aggressive Zinserhöhungen brechen konnte, was schließlich zu einer Rezession führte.
Aktuell zeigt die US-Wirtschaft zwar Anzeichen der Erholung, aber die Arbeitslosenquote von 4,2% liegt immer noch deutlich unter dem Durchschnittswert der letzten Jahrzehnte.