Ein Privileg mit wachsendem Preisschild
Beamte sind im Krankheitsfall besonders abgesichert: Der Staat übernimmt einen großen Teil der Behandlungskosten, für den Rest schließen sie in der Regel eine private Krankenversicherung ab. Dieses Modell hat Tradition – und es wird für Bund und Länder zunehmend zur Belastung.
Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zeigt, wie stark die Ausgaben in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Der Bund überwies 2024 rund 6,6 Milliarden Euro an Beihilfen, knapp 15 Prozent mehr als noch 2022.
Noch deutlicher trifft es die Länder: Ihre Ausgaben kletterten von 11,3 auf 13,8 Milliarden Euro. Haupttreiber sind eine alternde Beamtenschaft, steigende Kosten im Gesundheitswesen und neue, oft teure Therapien.
Das Geschäftsmodell der Privaten
Während Angestellte in der Wirtschaft hälftig mit ihrem Arbeitgeber die Krankenkassenbeiträge stemmen, übernimmt der Staat für Beamte keine Beiträge, sondern beteiligt sich über die Beihilfe an konkreten Rechnungen. Damit profitieren auch die privaten Krankenversicherer, die seit Jahrzehnten eng mit dem System verwoben sind.
Genau das stößt auf Kritik. „Hier wird das Geschäftsmodell der privaten Versicherungen gesichert, während unserem solidarischen Gesundheitssystem Geld entzogen wird“, sagt die Grünen-Politikerin Linda Heitmann, die das Gutachten in Auftrag gegeben hat.

Hamburg und Bremen gehen voran
Einige Bundesländer haben das Problem erkannt und Alternativen eingeführt. Hamburg und Bremen bieten Beamten die Wahl: Entweder das klassische Modell mit Beihilfe und privater Versicherung – oder eine Pauschale, mit der der Staat die Hälfte der gesetzlichen Krankenkassenbeiträge übernimmt.
Gerade junge Beamte greifen zu. In Hamburg entschied sich zuletzt knapp jeder vierte Nachwuchsbeamte für die GKV-Pauschale. Für viele bedeutet das mehr Planbarkeit, weniger Bürokratie – und eine bewusste Entscheidung für Solidarität.
Drohende Kostenexplosion
Die Zahlen lassen erahnen, wohin die Reise geht. Bleibt alles wie bisher, wird die Beihilfe schon in wenigen Jahren zweistellige Milliardensummen zusätzlich verschlingen. Für Finanzministerien, die schon heute zwischen Investitionsstau, Schuldenbremse und steigenden Sozialausgaben jonglieren, wäre das kaum noch zu stemmen.
Die Reformfrage steht also unausweichlich im Raum. Ob Bund und Länder den Mut finden, das traditionsreiche Privileg grundlegend umzubauen, ist offen. Fest steht nur: Die Zeit läuft gegen das alte System.
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