30. November, 2025

Unternehmen

BayWa ringt um ihren Neuanfang – und um die Deutung der Krise

Der Agrar- und Baustoffkonzern verkauft Beteiligungen im großen Stil, kämpft mit Behördenermittlungen und geht hart mit seinem alten Management ins Gericht. Der neue CEO zieht eine scharfe Trennlinie.

BayWa ringt um ihren Neuanfang – und um die Deutung der Krise
Die BayWa verkauft Beteiligungen im großen Stil – und wirft dem früheren Management schwere Fehler vor.

Ein Jahrhundertkonzern fällt in eine finanzielle Notlage

Vor zwei Jahren feierte die BayWa Rekordzahlen. 27,1 Milliarden Euro Umsatz, erhöhte Dividende, Sonderausschüttung – die Botschaft lautete: Der Münchner Konzern ist kraftvoll wie selten zuvor. Ein Jahr später stand das Unternehmen am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Im Sommer 2024 war die Liquidität so angespannt, dass der Konzern laut Insidern nur knapp einer Insolvenz entging.

Heute steht an der Spitze ein neues Duo: CEO Frank Hiller und Restrukturierungsspezialist Michael Baur. Ihr Befund fällt radikal aus. Die BayWa sei über Jahre aufgebläht worden, Geschäft um Geschäft hinzugekauft, ohne Rücksicht auf Kapitalstruktur und Risikotragfähigkeit. „Das alte Management hat keinen guten Job gemacht“, sagt Hiller – und verschärft den Ton: „Es ging dem Management nicht um die Firma, sondern nur um sich selbst.“

In der Historie des Konzerns ist ein solcher Frontalangriff außergewöhnlich. Doch die Lage ist ernst – und der neue Vorstand muss erklären, warum ein Jahrhundertunternehmen binnen weniger Jahre in eine Schuldenfalle geraten konnte.

Der Sanierungsplan verlangt eine Schrumpfkur in historischem Ausmaß

Die neue Strategie ist ein Bruch mit allem, was die BayWa seit Jahren auszeichnete. Zwei Drittel des Konzerns sollen verkauft werden – bis Ende 2028. Am Ende soll ein „modernes Handelshaus für Agrar und Bau“ mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro stehen. Der Schritt ist gewaltig: kaum ein deutsches Traditionsunternehmen hat je eine vergleichbar umfassende Demontage seiner eigenen Struktur vollzogen.

Veräußert wird, was nicht zwingend zum Kern gehört. Und das möglichst schnell. Doch die Bilanz der ersten Verkaufsrunde ist durchwachsen. Die Anteile an der Raiffeisen Ware Austria brachten immerhin 176 Millionen Euro und entlasteten die Bilanz erheblich. Der geplante Verkauf des niederländischen Großhändlers Cefetra dagegen scheiterte – aus Mangel an Finanzierung beim Käufer. „Ein großer Rückschlag“, sagt Baur.

Ein neuer Interessent aus den Niederlanden steht bereit, doch auch hier stehen noch kartellrechtliche Freigaben aus. Die Lektion der Vergangenheit sitzt tief: „Für uns ist der Deal erst gemacht, wenn das Geld auf dem Konto ist.“

Probleme in Neuseeland und ein Sorgenfall namens BayWa R.E.

Noch schwieriger gestaltet sich der geplante Ausstieg aus den internationalen Agraraktivitäten. Turners & Growers, der neuseeländische Apfel- und Gemüseproduzent, kämpft mit Unwetterschäden und zerstörten Plantagen. Ein Komplettverkauf erwies sich als unrealistisch. Nun soll erst das Gemüsegeschäft, dann das Apfelgeschäft separat veräußert werden.

Das größte Risiko liegt jedoch in der Erneuerbare-Energien-Tochter BayWa R.E. Sie ist hoch verschuldet, schreibt tiefrote Zahlen und hängt seit Jahren an Gesellschafterdarlehen. Eine US-Ankündigung zur Kürzung von Förderprogrammen zwang den Konzern jüngst zu einer Gewinnwarnung für 2025. Hinzu kommen Streitigkeiten über stornierte Bestellungen im Solarbereich, ein anhängiger Rechtsstreit über 35,4 Millionen Euro und laufende Ermittlungen gegen zwei Manager wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten beim Erwerb von Solarmodulen.

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Die R.E.-Beteiligung soll erst ganz zum Schluss verkauft werden – und wird damit zum alles entscheidenden Puzzlestück des Sanierungsplans. Ein hoher Verkaufserlös ist notwendig, aber keineswegs garantiert.

Ermittlungen und interne Aufräumarbeiten belasten den Neustart

Die BayWa kämpft nicht nur operativ, sondern auch juristisch um ihren Kurs. Gegen mehrere ehemalige und ein aktives Vorstandsmitglied laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der unrichtigen Darstellung. Der Vorgang hängt mit einer BaFin-Prüfung zur Berichterstattung 2023 zusammen. Hausdurchsuchungen gab es keine, doch der Konzern muss umfangreiches Material liefern.

Parallel untersucht ein internes Spezialteam seit Herbst 2024, ob Regressforderungen gegen frühere Verantwortliche möglich sind. Ergebnisse sollen im Juni 2026 vorgelegt werden. Damit bleibt die Frage nach der Verantwortung über Jahre sichtbar – ein ungewöhnlicher Zustand für einen Dax-nahezu-Konzern, der Verlässlichkeit als Teil seines Markenversprechens versteht.

Das laufende Geschäft zeigt, wie tief die Krise sitzt

Die Zahlen der ersten neun Monate 2025 verdeutlichen das Ausmaß der Probleme. Der Umsatz sank um 22 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro – bedingt durch Verkäufe, Standortschließungen, Preisrückgänge und schwache Konjunktur. Besonders hart traf es das Agrargeschäft, das um 18 Prozent einbrach. Die Nachfrage der Landwirte ist verhalten, die Ernten groß, die Preise niedrig.

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Auch Technik, Baustoffe sowie Wärme & Mobilität lieferten deutliche Rückgänge. Der Konzern spricht offen von „Achterbahnfahrten“ – ein Begriff, der in normalen Jahren als Alarmzeichen gelten würde, in der aktuellen Lage aber nüchtern die Realität beschreibt.

Noch liegt die operative Marge – gemessen am EBITDA – bei 2,3 Prozent. Bis 2028 müssen es vier werden. Der Weg dorthin ist lang, finanziell anspruchsvoll und voller externer Risiken.

Die BayWa lernt, wie viel Zeit ein Turnaround wirklich kostet

Der Konzern kämpft an vielen Fronten gleichzeitig: mit Verkäufen, mit Ermittlungen, mit steigendem Zinsdruck, mit einer strategischen Neuausrichtung und der eigenen Historie. Ein schneller Befreiungsschlag ist nicht zu erwarten. Hiller und Baur verfolgen einen Plan, der viel Mut und noch mehr Ausdauer verlangt.

Dass ein ehemaliges Vorstandsmitglied weitaus schärfer angegriffen wird als in deutschen Großkonzernen üblich, zeigt die Dringlichkeit. Ein Traditionsunternehmen muss den Preis jahrelanger Expansion bezahlen – und versucht, die eigene Zukunft frei zu räumen.

In den Worten von Sanierer Baur klingt das fast lapidar: Restrukturierungen seien „wie Achterbahnfahrten“. Dass die BayWa diese Fahrt am Ende heil übersteht, wird nicht nur an der Sanierungslogik liegen, sondern am Tempo, das Käufer, Behörden und Märkte zulassen.

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