11. Januar, 2026

Märkte

Bauspargeschäft steht nach Zinsanstieg vor stabiler Neuausrichtung

Die jüngsten Entwicklungen auf dem deutschen Bausparmarkt deuten auf eine signifikante Abkühlung hin, nachdem die Branche zuvor einen bemerkenswerten Aufschwung erfahren hatte, der durch die einschneidende Zinswende verursacht wurde. Sowohl Landesbausparkassen (LBS) als auch private Bausparkassen verzeichnen laut aktuellen Berichten einen substanziellen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Verträgen. Bereits im Jahr 2024 war eine merkliche Abnahme der Nachfrage nach Bausparverträgen zu beobachten.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Rückgangs: In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 konnten die Landesbausparkassen rund 297.000 neue Verträge verbuchen, die ein Gesamtvolumen von 16,5 Milliarden Euro erreichen. Dies stellt einen Rückgang von 13,9 Prozent in der Anzahl der Verträge und eine Reduktion der Bausparsumme um 20,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dar. Diese Trends könnten als Anzeichen einer Normalisierung nach einer außergewöhnlichen Phase hoher Nachfrage, ausgelöst durch die Zinsänderungen im Jahr 2022, interpretiert werden.

Der Verband der Privaten Bausparkassen hat diese Abkühlung ausdrücklich bestätigt. Bernd Hertweck, der Vorsitzende des Verbandes und gleichzeitiger CEO der Bausparkasse Wüstenrot, betont, dass das allgemeine Interesse an Bausparverträgen dennoch hoch bleibt. «Viele Menschen streben nach Planungssicherheit, insbesondere in einem volatilen Zinsumfeld», erklärt Hertweck.

Bausparverträge bieten ihren Kunden durch zwei Phasen besondere Sicherheit: Zunächst erfolgt eine Sparphase, gefolgt von dem Recht auf ein Darlehen zu vergleichsweise niedrigen Zinsen. Dieses Modell ermöglicht es Kunden, eine verlässliche Planung, etwa bei einem Wohnungskauf, zu gestalten und zugleich von Zinsgewinnen auf das gesparte Vermögen zu profitieren. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnt die Kombination aus langfristigem Eigenkapitalaufbau und der Sicherung niedriger Darlehenszinsen an Bedeutung.

Die aktuell angebotenen Darlehenszinsen variieren je nach Tarif und Sparphase zwischen etwa 0,45 und knapp 2,5 Prozent. Dieses attraktive Zinsniveau steht im starken Kontrast zu herkömmlichen Immobilienkrediten, die mit einer zehnjährigen Zinsbindung oftmals Zinsen über vier Prozent erfordern, so die Angaben der LBS.

Die Ära niedriger Zinsen, die nach der Finanzkrise dominierte, setzte das Bauspargeschäft lange Zeit unter Druck. Mit der Zinswende im Jahr 2022 und der darauf folgenden Verteuerung von Immobilienkrediten stieg die Attraktivität von Bausparverträgen erheblich. Seit Mitte 2024 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins jedoch kontinuierlich gesenkt, welcher seit Juni stabil bei 2,0 Prozent liegt.

In Deutschland haben Landesbausparkassen einen marktbeherrschenden Anteil von über einem Drittel, während der restliche Anteil von privaten Instituten gehalten wird. Besonders in Baden-Württemberg, wo Schwäbisch Hall – der Branchenführer –, die LBS Süd, Wüstenrot und die Deutsche Bausparkasse Badenia ansässig sind, bildet sich das Zentrum der Bausparbranche.