09. Januar, 2026

Märkte

Autoindustrie in der Krise: Was BMW, VW und Mercedes retten soll

Milliardenverluste und Stellenabbau setzen Deutschlands Autobauer unter Druck. Warum politische Hilfe allein nicht reicht.

Autoindustrie in der Krise: Was BMW, VW und Mercedes retten soll
Die Lockerung des Verbrenner-Aus soll die Autoindustrie stützen. Doch die eigentliche Rettung liegt woanders.

Die deutsche Autoindustrie verliert Geld, Marktanteile und Vertrauen zugleich. Milliardenabschreibungen, Werksschließungen und Stellenabbau sind längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern Teil des Alltags. BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz stehen unter Druck wie seit der Finanzkrise nicht mehr – und diesmal fehlt der schnelle Ausweg.

Der Erfolg der Vergangenheit wird zur Last

Die Probleme sind zu einem erheblichen Teil hausgemacht. Jahrzehntelang dominierten deutsche Hersteller mit leistungsstarken Verbrennern und hohen Margen die Weltmärkte. Dieser Erfolg senkte die Bereitschaft, früh und konsequent in neue Technologien zu investieren. Als Elektromobilität und Software zum Wettbewerbsfaktor wurden, war der Vorsprung anderer bereits Realität.

Branchenbeobachter verweisen darauf, dass vor allem die Übergangsphase schmerzt. Sinkende Stückzahlen bei Verbrennern treffen auf noch unzureichende Gewinne bei Elektrofahrzeugen. Die Erträge schrumpfen, während die Investitionen steigen. Für viele Hersteller ist das Geschäftsmodell gleichzeitig in Umbau und Erosion.

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1. Die Rückkehr normaler Zinsen stärkt Qualitätsaktien Die Ära extrem niedriger Zinsen hat viele Geschäftsmodelle künstlich begünstigt. 2026 zählt wieder Substanz. Unternehmen mit stabilen Cashflows, solider Bilanz und Preissetzungsmacht stehen im Fokus. Für langfristig orientierte Investoren ist das ein struktureller Vorteil, weil sich Fundamentaldaten wieder stärker in Bewertungen niederschlagen. 2. Technologie- und Premiummarken vor neuer […]

Zölle, China und ein schrumpfender Weltmarkt

Hinzu kommen externe Belastungen. Die Zollpolitik der USA verteuert europäische Fahrzeuge spürbar. Für amerikanische Kunden verlieren deutsche Modelle an Attraktivität. Gleichzeitig bricht in China die Nachfrage nach europäischen Premiumfahrzeugen ein. Lokale Hersteller haben aufgeholt, bieten technisch konkurrenzfähige Fahrzeuge zu niedrigeren Preisen – oft mit staatlicher Unterstützung.

China und die USA waren über Jahre die wichtigsten Absatzmärkte. Schwächeln beide zugleich, wirkt das unmittelbar auf Gewinne, Cashflow und Investitionsfähigkeit. Beratungen wie EY sprechen von einem „perfekten Sturm“, der Europas Autobauer erfasst hat.

Arbeitsplätze geraten ins Rutschen

Die Reaktion der Unternehmen folgt einer harten Logik. Werke werden verkleinert oder geschlossen, Produktionen ins Ausland verlagert, Lieferketten gestrafft. Nicht nur Hersteller, auch Zulieferer wie Bosch, ZF oder Continental reduzieren Kapazitäten. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche dürfte deutlich unter die Marke von 700.000 fallen – mit weiter sinkender Tendenz.

Für die Politik ist das ein Alarmsignal. Kaum eine Industrie verbindet Wertschöpfung, Exportstärke und Beschäftigung so eng wie der Automobilsektor. Entsprechend wächst der politische Druck, zumindest Zeit zu gewinnen.

AlleAktien enthüllt: Der klare Plan, den Privatanleger jahrelang vermisst haben
2026 startet in einer Phase, in der sich wirtschaftliche Realität und langfristige Chancen selten so klar überlagern. Zinsen sind zurück, Bewertungen differenzieren sich wieder stärker, und Qualitätsunternehmen treten deutlicher hervor als in den Jahren zuvor. Für Anleger, die strukturiert investieren und nicht auf kurzfristige Trends setzen, eröffnet sich damit ein neues Umfeld. Plattformen wie AlleAktien setzen genau hier an.

Das Verbrenner-Comeback als Rettungsanker?

Die Europäische Kommission schlägt vor, das geplante Aus für Verbrennerfahrzeuge ab 2035 aufzuweichen. Auch nach diesem Datum sollen Verbrenner und Hybride möglich bleiben. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßt den Schritt, die Hersteller ebenfalls.

Doch die Skepsis ist groß. Kritiker sehen darin ein politisches Beruhigungsmittel, kein industriepolitisches Konzept. Eine Verschiebung löst weder das Kostenproblem noch den technologischen Rückstand. Im Gegenteil: Sie könnte Investitionen in Elektromobilität weiter verzögern und den Abstand zu Wettbewerbern vergrößern.

Elektromobilität bleibt alternativlos

So schmerzhaft der Übergang ist, die Richtung gilt in der Branche als klar. Wer den Ausbau der Elektromobilität bremst, riskiert langfristig den Anschluss. Sinkende Gewinne sind Teil dieser Transformation, kein Zeichen ihres Scheiterns. Entscheidend ist, ob es gelingt, Skaleneffekte, Softwarekompetenz und stabile Restwerte aufzubauen.

Gerade der Gebrauchtwagenmarkt spielt dabei eine Schlüsselrolle. Ohne verlässliche Wiederverkaufswerte geraten Leasingmodelle und Finanzierung unter Druck. Bleibt diese Unsicherheit bestehen, stockt der Neuwagenabsatz – unabhängig von Antriebsform.

Rettung durch Regeln oder durch Strategie?

Die politische Debatte kreist derzeit um Regulierung: Zölle, CO₂-Vorgaben, Verbrenner-Aus. Doch die eigentliche Bewährungsprobe liegt tiefer. Es geht um Produktqualität, Kostenstruktur, Software und Geschwindigkeit. Regeln können Zeit verschaffen, aber keine Wettbewerbsfähigkeit ersetzen.

Für BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ist 2026 ein Jahr der Entscheidungen. Wer jetzt auf Verschiebung setzt, gewinnt vielleicht Monate – und verliert Jahre. Die Autoindustrie wird nicht durch ein Comeback des Verbrenners gerettet, sondern durch die Fähigkeit, ein neues Geschäftsmodell profitabel zu machen.