20. Januar, 2026

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Ausverkauft bis 2036: Das Lithium-Wunder der Pfalz ist unsere letzte Chance

Mitten in der Provinz startet das riskanteste Bergbauprojekt der Nachkriegszeit – mit Milliarden aus den USA und einer Technik, die noch niemand beherrscht.

Ausverkauft bis 2036: Das Lithium-Wunder der Pfalz ist unsere letzte Chance
In Landau startet das ambitionierteste Rohstoffprojekt Deutschlands. Geothermie trifft Lithium. Doch der Zeitplan ist extrem sportlich.

Cris Moreno steht nicht vor einer Fabrik, sondern vor einer Wette, die entweder die deutsche Autoindustrie rettet oder Milliarden vernichtet. Um ihn herum ragen silberne Rohre aus einem grauen Containerbau in den Winterhimmel von Landau.

Es ist kalt in der Pfalz, doch die Bücher des Unternehmens Vulcan Energy sind heißgelaufen. Das Lithium, das hier noch tief unter den Weinbergen schlummert, ist laut Moreno bereits für die nächsten zehn Jahre verkauft. Ausgebucht. Nichts mehr zu holen.

Diese Aussage ist keine bloße Zuversicht, sie ist eine existenzielle Notwendigkeit. Denn was hier geschieht, ist der wohl ambitionierteste Versuch Deutschlands, sich aus der Rohstoffklammer Chinas zu befreien.

Ein gescheiterter Northvolt-Manager übernimmt nun das Ruder

Man muss die Personalie Moreno genau betrachten, um die Fallhöhe zu verstehen. Seine Vita liest sich wie eine Achterbahnfahrt durch die Energiebranche: Erst Shell, dann Northvolt.

Jener schwedische Batteriehersteller, der einst als europäischer Hoffnungsträger galt und vor einem Jahr in die Insolvenz rauschte. Jetzt soll ausgerechnet er die deutsche „Lithiumsaga“ zum Erfolg führen.

Moreno selbst wischt Bedenken lachend beiseite. Er habe endlich seinen Platz gefunden. Doch die Ruhe, mit der er die Spatenstiche für die Politik inszeniert, täuscht nicht darüber hinweg, dass der Druck immens ist.

Anfang Dezember sammelte er über zwei Milliarden Euro ein. Mit dabei: US-Großbanken, der deutsche Rohstofffonds mit 150 Millionen Euro Staatsgeld, BASF und Hochtief. Das Geld kauft ihm Zeit – etwa zehn bis zwölf Jahre Ruhe, wie er sagt. Doch Ruhe ist im Rohstoffgeschäft eine Illusion.

Die klinisch saubere Extraktion ist ein industrielles Novum

Das Versprechen von Vulcan Energy klingt fast zu perfekt für die deutsche Seele: Bergbau, aber ohne Schmutz. Kein offener Tagebau, keine zerstörten Landschaften wie in Südamerika oder Australien.

Stattdessen wird Thermalwasser aus 3000 Metern Tiefe gepumpt, die Wärme für Energie genutzt und das Lithium quasi im Vorbeigehen herausgefiltert. Danach fließt das Wasser zurück in die Erde.

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Die Kombination aus Geothermie und Lithiumextraktion gilt als der „Heilige Gral“. Der Oberrheingraben bietet dafür weltweit einzigartige Bedingungen: heißes Wasser und hohe Lithiumkonzentrationen. Das senkt die Kosten.

Vulcan gibt an, die Tonne Lithiumcarbonat für 3500 Euro produzieren zu können. Der Marktpreis lag zuletzt bei über 10.000 Dollar. Die Marge ist theoretisch gigantisch – wenn die Praxis mitspielt.

Eine banale Google-Suche begründete den Milliarden-Hype

Die Genese dieses Milliardenprojekts entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es begann nicht in den Strategieabteilungen deutscher Konzerne, sondern mit einer E-Mail eines australischen Bergbauingenieurs.

Francis Wedin las ein Paper über Lithiumextraktion, suchte nach passenden Orten und fand den Oberrheingraben. Er brauchte einen Experten vor Ort und tat das, was jeder Laie tut: Er googelte.

So fand er Horst Kreuter, einen Karlsruher Ingenieur im Ruhestand. Das ungleiche Paar – der junge Ölmanager und der erfahrene Geothermiker – blitze bei deutschen Investoren ab. Zu riskant, zu neu.

Also gingen sie nach Australien an die Börse. Erst als der Hype losbrach und die Aktie durch die Decke ging, wachte Deutschland auf. Jetzt fließt das Geld, das man vor Jahren verweigerte, in Strömen.

Physikalische Gesetze bedrohen die ambitionierte Gewinnmarge

Doch zwischen Börsenprospekt und Realität klafft eine Lücke. Vulcan hat seine ursprünglichen Ziele bereits massiv korrigieren müssen. Von der einst für 2024 versprochenen Menge konnte in der Pilotanlage zuletzt nur ein halbes Prozent gefördert werden.

Jetzt peilt man 24.000 Tonnen ab 2028 an – genug für 500.000 E-Autos. Experten wie Joachim Koschikowski vom Fraunhofer ISE bestätigen zwar die prinzipielle Machbarkeit, warnen aber vor der Skalierung.

Das Risiko liegt im Untergrund: Wenn das lithiumfreie Wasser nach der Extraktion wieder eingepresst wird, könnte es zu „Kurzschlüssen“ kommen. Das verdünnte Wasser könnte zu schnell wieder an der Entnahmestelle ankommen und den Lithiumgehalt drastisch senken.

Niemand hat dieses Verfahren bisher in dieser industriellen Größenordnung angewandt. Wenn die Physik unter der Erde nicht mitspielt, helfen auch zwei Milliarden Euro Investorengeld nicht weiter.

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