Die Liquidierung des schwäbischen Traditionsunternehmens galt als besiegeltes Schicksal
Für die 280 Mitarbeiter des Rundstrickmaschinen-Herstellers Mayer & Cie. schien jede Hoffnung verloren. Die Kündigungen waren ausgesprochen, ein Industrieverwerter hatte bereits den Auftrag, den Maschinenpark des einstigen Weltmarktführers zu bewerten und zu veräußern. Das Szenario war eindeutig: Totale Abwicklung bis Ende Februar.
Doch kurz vor Fristablauf änderte sich die Lage dramatisch. Am Montagnachmittag wurden Kaufverträge unterzeichnet, die wesentliche Vermögenswerte des insolventen Unternehmens nach Asien transferieren. Der Käufer ist kein Unbekannter, sondern ein direkter Wettbewerber.

Chinesischer Konkurrent Huixing sichert sich strategische Assets und Immobilien
Der Zuschlag ging an die Huixing Machine Co. aus Shishi City, Quanzhou. Das Unternehmen zählt mit rund 1000 Mitarbeitern zu den führenden chinesischen Akteuren im Textilmaschinenbau. Gegenstand der Transaktion sind „ausgewählte Vermögensgegenstände“, darunter explizit die Werksimmobilie am Standort Albstadt sowie die Tochtergesellschaften in China und Tschechien.
Ziel des Investors ist nach aktuellen Informationen die Wiederaufnahme der Produktion von Rundstrickmaschinen in Deutschland. Details zur genauen Anzahl der geretteten Arbeitsplätze stehen jedoch noch aus.
Aggressiver Preiskampf und strukturelle Standortnachteile erzwangen die Kapitulation
Die Insolvenz von Mayer & Cie. ist ein Lehrstück für die aktuelle Krise des Standorts Deutschland. Externe Faktoren wie die US-Zollpolitik und die Inflation in der Türkei schwächten die Nachfrage massiv. Den entscheidenden Schlag versetzten jedoch chinesische Wettbewerber, die mit aggressiver Preispolitik Marktanteile eroberten.
Zusätzlich machen strukturelle Probleme wie hohe Arbeitskosten, teure Energie und überbordende Bürokratie deutschen Fertigern zu schaffen. Das Geschäftsmodell „Qualität made in Germany“ gerät zunehmend unter Druck.
„Qualität made in Germany in Zeiten von Fast-Fashion-Kollektionen hat ohnehin einen schweren Stand“, so Martin Mucha.
Behördliche Genehmigungsverfahren verzögern den endgültigen Vollzug der Übernahme.
Obwohl die Verträge unterzeichnet sind, ist der Deal noch nicht in trockenen Tüchern. Der Vollzug hängt von der Zustimmung sowohl deutscher als auch chinesischer Behörden ab. Insbesondere steht eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie aus.
Die involvierten Parteien kalkulieren mit einem Zeitfenster von sechs bis acht Wochen bis zum Closing. Dennoch herrscht Erleichterung über die Abwendung der totalen Zerschlagung.


