Die deutsche Chemieindustrie, die in den letzten Monaten erheblich unter der Energiekrise zu leiden hatte, zeigt nach Analyse des Ifo-Instituts erste Signale der Erholung. Der Geschäftsklima-Index, ein wesentlicher Indikator für die Stimmung innerhalb der Branche, hat sich im März weiter verbessert, was Experten als Hinweis darauf deuten, dass die schwersten Zeiten möglicherweise überstanden sind.
Anna Wolf, Branchenexpertin beim Ifo, verweist darauf, dass trotz einer noch nicht vollständig zufriedenstellenden Auftragslage der vermutlich kritischste Moment der Krise hinter der Chemiebranche liegt. Besonders ermutigend ist der signifikante Anstieg der Geschäftserwartungen, die einen deutlichen Optimismus signalisieren. So konnte der entsprechende Indikator von negativen 14,9 Punkten auf weniger pessimistische minus 2,9 Punkte angehoben werden.
Ein weiteres Zeichen für die Zuversicht innerhalb der Industrie ist der merkliche Produktionsanstieg im Februar, der laut dem Statistischen Bundesamt preisbereinigt bei 4,6 Prozent lag. Auch im März blieb die Produktionsplanung expansiv ausgerichtet. Positiv zu bemerken ist ebenfalls, dass sich die zuvor besorgniserregende Entwicklung von Stellenabbau verlangsamt hat – ein Indiz dafür, dass Unternehmen ihre Kapazitäten vorsichtig wieder hochfahren.
Exportgeschäfte werden nach Einschätzung der Chemieunternehmen in naher Zukunft wesentliche Impulse für eine anziehende Nachfrage bieten. Die Chemie- und Pharmaindustrie, als drittgrößter Industriezweig in Deutschland, erachtet neben den Energiepreiserhöhungen die schwächelnde Konjunktur als große Challenge. Dabei sank der Branchenumsatz im letzten Jahr um über zwölf Prozent auf 229,3 Milliarden Euro. Aktuell stehen die Branche und ihre ungefähr 585.000 Beschäftigten im Fokus regionaler Tarifverhandlungen, die am Montag begonnen haben und die wirtschaftlichen Weichen für die Zukunft stellen sollen.