06. Februar, 2026

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Arbeitsmarkt-Kollaps: Warum sich Leistung in Deutschland nicht mehr lohnt

Demografie-Schock und toxische Steueranreize vernichten unseren Wohlstand. Top-Ökonomen zerlegen die Politik der Appelle und fordern radikale Reformen.

Arbeitsmarkt-Kollaps: Warum sich Leistung in Deutschland nicht mehr lohnt
7 Millionen Arbeitskräfte fehlen bald. Warum das deutsche Steuersystem Fleiß bestraft und welche radikalen Reformen jetzt nötig sind.

Der Wohlstand ist durch den massiven Schwund an Arbeitskräften akut in Gefahr

Deutschland steuert auf ein dramatisches wirtschaftliches Szenario zu. Der demografische Wandel schlägt nun mit voller Wucht auf den Arbeitsmarkt durch. Die Illusion, der aktuelle Lebensstandard sei ohne massive Anpassungen haltbar, wird von führenden Ökonomen zerstört. Wer glaubt, der Status quo sei sicher, irrt gewaltig.

Laut Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) steht die Bundesrepublik vor einer gravierenden Schrumpfung. In den kommenden 15 Jahren verliert der deutsche Arbeitsmarkt sieben Millionen Arbeitskräfte allein durch Alterung. Ein Ausgleich dieses Verlusts ist ohne signifikante Änderungen im Arbeitsangebot mathematisch kaum darstellbar.

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Das deutsche Steuersystem bestraft Mehrarbeit systematisch und fördert Teilzeit

Die emotionale Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ oder vermeintliche Faulheit verfehlt den ökonomischen Kern des Problems völlig. Daten der OECD zeigen zwar niedrige durchschnittliche Arbeitsstunden im internationalen Vergleich, dies korreliert jedoch stark mit einer gestiegenen Erwerbsquote von Frauen und Älteren, die oft in Teilzeit arbeiten. Das eigentliche Hindernis für mehr Vollzeit ist rein fiskalischer Natur.

Robert Grundke, Leiter des Deutschland-Desks bei der OECD, identifiziert das Steuer- und Transfersystem als Hauptursache für das geringe Arbeitsvolumen. Hohe Abgaben auf Arbeitseinkommen setzen massive Fehlanreize. Wer in Deutschland mehr leistet, hat am Ende des Monats oft kaum mehr Netto in der Tasche. Das System macht Rationalität zu einem Feind der Produktivität.

Politische Appelle sind wirkungslos gegen mathematische Realitäten im Geldbeutel

Die Expertenanalyse ist eindeutig: Moralische Aufrufe der Politik verpuffen wirkungslos. Solange der Grenzsteuersatz für untere und mittlere Einkommen prohibitiv hoch ist und Sozialleistungen bei geringem Zuverdienst fast vollständig gestrichen werden, bleibt Mehrarbeit ökonomisch irrational. Das Einkommenssystem bestraft Leistungsträger im unteren Segment.

Besonders die Minijob-Regelungen und das Ehegattensplitting zementieren diesen Zustand. Dominik Groll vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt vor dem „Gulliver-Syndrom“: Viele kleine Fehlanreize und bürokratische Fesseln summieren sich zu einem enormen volkswirtschaftlichen Schaden, der das Wachstumspotenzial lähmt.

Radikale Reformen bei Rente und Abgaben sind alternativlos

Um den Kollaps abzuwenden, fordern die Ökonomen harte und unpopuläre Einschnitte. Die abschlagsfreie „Rente mit 63“ sowie Frühverrentungsanreize müssen nach Ansicht der Experten fallen. Stattdessen braucht es positive Anreize für längeres Arbeiten, etwa durch signifikante Rentenaufschläge pro Monat.

Gleichzeitig muss die Steuerprogression im unteren Einkommensbereich dringend abgeflacht werden. Eine Reform der Grundsicherung mit einem Selbstbehalt von 30 Prozent bei Zuverdienst könnte laut IAB-Experte Weber Hunderttausende Jobs schaffen. Finanzierbar wäre dies durch die Streichung von Ausnahmen bei der Erbschafts- und Kapitalertragssteuer.