In einer überraschenden Wendung hat Amazon in seinem deutschen Prime Video Service Werbeeinspielungen etabliert und bietet zudem ein werbefreies Upgrade für knapp 3 Euro monatlich an. Die Einführung von Werbung in Abonnement-Diensten markiert eine Wende auf dem deutschen Streaming-Markt, wo bislang die Abonnenten für ein werbefreies Seherlebnis zahlten.
Der E-commerce Gigant integriert seit Februar 2023 Anzeigen in sein langjähriges Prime-Angebot nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien und Kanada. In den Vereinigten Staaten ist dies seit Januar 2023 der Fall.
Mit Freevee verfügt Amazon zudem über einen kostenlosen Streaming-Service, der sich komplett durch Werbeeinnahmen finanziert. Dies stellt die Frage in den Raum, warum Amazon nun auch in seinem Premium-Segment mit Werbeinhalten arbeitet. Amazon selbst begründet diesen Schritt mit dem Ziel, weiterhin in qualitativ hochwertige Inhalte investieren zu können und dies nachhaltig zu finanzieren. Dabei soll das Maß der Werbung deutlich unter dem herkömmlicher TV-Sender und anderer Streaming-Anbieter liegen.
Die Verbraucherschützer zeigen sich indessen alarmiert und thematisieren mögliche Sammelklagen, da sie die Einführung von Werbung als einen signifikanten Vertragswandel ansehen, für den die Zustimmung der Kunden erforderlich sei.
Obwohl das Konzept von werbefinanzierten Abo-Modellen in Deutschland noch ungewöhnlich ist, wird es offensichtlich immer geläufiger. Die Branchenbeispiele von Disney+, Netflix, RTL+ und Wow, die Vaunet anführt, unterstreichen dies. Die Beratungsfirma Goldmedia sieht den Trend aus den USA kommend und erwartet, dass sich die Modelle auch in Deutschland etablieren, wenngleich der Aufbau lokaler Vermarktungsstrukturen eine Herausforderung darstellt.
Der Vaunet-Verband sieht in der Werbung bei Bezahldiensten keine Sättigung des Abo-Marktes, sondern eher eine Diversifikation im Streaming-Angebot durch zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten. Mit wachsender Reichweite werden Streaming-Dienste also auch für Werbetreibende attraktiver und erhöhen den Konkurrenzdruck im Mediensektor.
Goldmedia prognostiziert dem linearen TV aufgrund einer zunehmenden Werbefläche mehr Druck. Dem Kunden werden durch neue gemischte Modelle auch finanziell zugänglichere Alternativen geboten, die möglicherweise zu einem dynamischeren Kundenverhalten führen werden. Die Streaming-Dienste sehen sich angesichts begrenzter Wachstumsraten bei Abonnements sowie steigendem Kostendruck durch externe Wirtschaftsfaktoren zur Diversifikation ihrer Einnahmequellen gezwungen. Gleichzeitig könnte dies Kundenzuwachse ermöglichen, da werbeunterstützte Angebote günstiger ausfallen.