Die Aktien von Amazon.com (AMZN.O) sind am Freitag um 9 Prozent eingebrochen. Auslöser für den massiven Abverkauf war die Ankündigung des Unternehmens, in diesem Jahr unglaubliche 200 Milliarden Dollar an Kapitalinvestitionen (Capex) zu tätigen. Dieser Schritt hat an der Wall Street akute Ängste vor einer Überhitzung der KI-Ausgaben geschürt.
Mit dieser Prognose schließt sich Amazon seinen Rivalen an. Die US-Tech-Giganten planen nun kollektiv, im laufenden Jahr mehr als 630 Milliarden Dollar in Rechenzentren und KI-Chips zu pumpen. Dieses Investitionsvolumen ist historisch beispiellos und wirft kritische Fragen zur Rentabilität auf.
Sollten sich die Verluste im aktuellen Handel bestätigen, droht Amazon eine Vernichtung von rund 200 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung.

Die Kapitalintensität verschiebt sich drastisch zu Lasten der kurzfristigen Profitabilität
Marktbeobachter sehen einen fundamentalen Strukturwandel bei den sogenannten Hyperscalern. Unternehmen bewegen sich weg von kapitaleffizienten „Asset-Light“-Modellen hin zu einer extremen Kapitalintensität. Das Wachstum der Investitionsausgaben übersteigt dabei das Umsatzwachstum bei weitem.
Der S&P 500 Software- und Service-Index hat seit dem 28. Januar bereits rund 1 Billion Dollar an Marktwert eingebüßt. Die Toleranz der Investoren für hohe Bewertungen ohne sofortige Ergebnisse schwindet rapide. Amazon wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27,01 gehandelt, was im Vergleich zu Microsofts 21,62 ambitioniert wirkt.
Historische Parallelen zur Dotcom-Blase wecken Ängste vor massiven Fehlinvestitionen
Die Explosion der Ausgaben hat Vergleiche mit dem Dotcom-Boom der frühen 2000er Jahre neu entfacht. Damals wurde die Infrastruktur für das moderne Internet aufgebaut, doch die Renditen für die finanzierenden Unternehmen blieben oft bescheiden oder blieben ganz aus.
Analysten waren zwar auf steigende Kosten vorbereitet, doch die Dimension der Amazon-Prognose – ein Sprung der Ausgaben um 50 Prozent – hat den Markt auf dem falschen Fuß erwischt.
Amazon-Chef Jassy rechtfertigt die Strategie trotz verlangsamter Wachstumsdynamik bei AWS
Trotz der Marktturbulenzen zeigen sich die CEOs von Big Tech unbeeindruckt. Sie setzen darauf, dass die Erträge aus künstlicher Intelligenz die Kosten des technologischen Wettrüstens langfristig übersteigen werden. Amazon-CEO Andy Jassy verteidigte im Earnings-Call das Umsatzwachstum von Amazon Web Services (AWS) von 24 Prozent.
Im direkten Vergleich wuchsen die Konkurrenten jedoch schneller: Google Cloud legte um 48 Prozent zu, Microsoft Azure um 39 Prozent. Jassy argumentiert mit dem Basiseffekt der Marktführerschaft.
Dennoch warnen Experten, dass bei Investitionen in dieser Größenordnung kein Raum für strategische Fehltritte bleibt.


