Die Zahlen, die Alphabet am Mittwochabend in San Francisco präsentierte, lesen sich wie ein Manifest der Gigantomanie. Mit einem geplanten Investitionsvolumen (Capex) von 175 bis 185 Milliarden Dollar für das laufende Jahr lässt Google-Mutter Alphabet die Konkurrenz von Microsoft und Meta weit hinter sich. Pichai setzt alles auf eine Karte: Wer die mächtigsten Rechenzentren besitzt, gewinnt das Rennen um die Künstliche Intelligenz. Doch der Markt reagierte mit einem Schock-Abschlag von drei Prozent – die Angst vor einem bodenlosen Geldgrab überwiegt den Stolz auf den neuen Umsatzrekord von über 400 Milliarden Dollar.

Cloud-Turbo demütigt Microsoft: 48 Prozent Wachstum schockt die Branche
Während die Investoren zittern, liefert das operative Geschäft eine Machtdemonstration. Besonders die Cloud-Sparte hat sich zum PS-Monster entwickelt: Mit einem Umsatzplus von fast 48 Prozent auf 17,66 Milliarden Dollar wächst Google Cloud deutlich schneller als Microsoft Azure (39 %). Der Auftragsbestand explodierte förmlich auf 240 Milliarden Dollar – ein klares Signal, dass Unternehmen weltweit auf Googles KI-Infrastruktur gieren.
Pichai sieht sich bestätigt: Die Nachfrage sei so gewaltig, dass man trotz des massiven Ausbaus weiterhin „angebotsbeschränkt“ bleibe. Dass Apple künftig für seine neue Siri-KI auf Googles Gemini-Modelle setzt, hat Alphabet bereits im Januar eine Marktkapitalisierung von vier Billionen Dollar beschert. Google ist nicht mehr nur eine Suchmaschine, sondern das Betriebssystem der KI-Revolution.

Suche trotzt dem KI-Fresser: Keine Kannibalisierung in Sicht
Die größte Angst der Analysten – dass ChatGPT und Co. das Kerngeschäft der Google-Suche auffressen – hat sich bisher als Trugschluss erwiesen. Im Gegenteil: Der Werbeumsatz stieg um 13,5 Prozent auf über 82 Milliarden Dollar. Laut Pichai führen die neuen KI-Funktionen (AI Overviews) sogar zu komplexeren Suchanfragen, die von Werbetreibenden teurer bezahlt werden.
Gemini 3, das neueste Sprachmodell, verzeichnet mittlerweile über 750 Millionen monatlich aktive Nutzer. Gleichzeitig gelang es Alphabet, die Kosten für einzelne KI-Anfragen im Jahresverlauf um 78 Prozent zu senken. Google beweist, dass man die Transformation vom klassischen Link-Index zum KI-Assistenten meistert, ohne die Cash-Machine zu beschädigen.
Waymos Milliarden-Grab: Aktienzuteilungen verdreifachen den Verlust
Doch wo viel Licht ist, fallen bei Alphabet auch tiefe Schatten. Die Sparte „Other Bets“, in der die Robotaxi-Hoffnung Waymo beheimatet ist, weitete ihren operativen Verlust auf 3,61 Milliarden Dollar aus. Grund für die Verdreifachung des Fehlbetrags war vor allem eine gigantische Sonderbelastung von 2,1 Milliarden Dollar für aktienbasierte Vergütungen, ausgelöst durch eine neue Finanzierungsrunde, die Waymo mit 126 Milliarden Dollar bewertet.
Waymo mag operativ glänzen – mit 15 Millionen Fahrten im Jahr 2025 und der Expansion nach Miami –, doch finanziell bleibt die Sparte ein schwerer Klotz am Bein der Bilanz. In Kombination mit den astronomischen KI-Investitionen fragen sich immer mehr Investoren, wann aus den „Moonshots“ endlich echte Gewinne fließen. Pichais Wette ist gigantisch, doch der Spielraum für Fehler wird mit jeder Milliarde kleiner.
Alphabet hat das Zeitalter der 400-Milliarden-Dollar-Umsätze eingeläutet, doch der Preis für die Krone der KI ist ein radikaler Abschied von der gewohnten Profitabilitäts-Gemütlichkeit.



