21. Februar, 2026

KI

Alibabas riskantes KI-Glücksspiel: Der 3-Milliarden-Plan gegen den drohenden Absturz

Mit einem gigantischen Investitionsprogramm und dem neuen Sprachmodell Qwen 3.5 bläst Alibaba zur alles entscheidenden Attacke. Doch während der Konzern Milliarden in die Cloud-Infrastruktur pumpt, fressen die Kosten die Gewinne auf. Die kommenden Quartalszahlen entscheiden über Sieg oder Untergang.

Alibabas riskantes KI-Glücksspiel: Der 3-Milliarden-Plan gegen den drohenden Absturz
Cloud-Wachstum vs. Gewinn-Einbruch: Alibaba kämpft mit massiven Kosten für die KI-Infrastruktur. Erfahren Sie alles über die neuen Prognosen.

Der chinesische Drache spuckt wieder Feuer, doch der Brennstoff ist teuer erkauft. In Hangzhou hat man erkannt, dass das alte E-Commerce-Geschäft allein nicht mehr ausreicht, um die globalen Tech-Giganten in Schach zu halten. Mit der Vorstellung von Qwen 3.5 hat Alibaba Cloud ein technologisches Monster erschaffen, das laut internen Benchmarks sogar US-Größen wie GPT-5.2 oder Gemini 3 Pro das Fürchten lehren soll. Doch Technologie allein zahlt keine Dividenden. Das nun gestartete 3-Milliarden-Yuan-Anreizprogramm ist nichts weniger als ein Verzweiflungsakt, um Entwickler mit massiven Rabatten in das eigene Ökosystem zu locken.

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Die Strategie ist riskant: Alibaba opfert kurzfristige Margen für langfristige Marktmacht. In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft ohnehin am Tropf hängt, ist dieser Kurs ein Tanz auf dem Vulkan. Anleger blicken mit einer Mischung aus Bewunderung und nackter Angst auf die Bilanz des Konzerns. Die Frage, die über allem schwebt, ist simpel: Kann Alibaba seine KI-Träume jemals in echtes, hartes Geld verwandeln, bevor die Kriegskasse leer ist?

Der Preis der Dominanz ist ein kollabierender Gewinn pro Aktie

Die nackten Zahlen der Analysten lesen sich wie ein Schocker aus dem Silicon Valley. Während der Umsatz im Cloud-Bereich zuletzt um beeindruckende 34 Prozent in die Höhe schoss, stürzte das bereinigte Ergebnis pro Aktie (EPS) im Vergleich zum Vorjahr um über 40 Prozent ab. Alibaba steckt in einer klassischen Investitionsfalle. Man muss Milliarden ausgeben, um technologisch nicht den Anschluss zu verlieren, doch diese Ausgaben verbrennen die Rentabilität im Rekordtempo.

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Das neue Flaggschiff Qwen 3.5 soll diesen Trend brechen. Durch eine hybride Architektur, die nur einen Bruchteil der Parameter pro Rechenschritt aktiviert, verspricht der Konzern eine Effizienzsteigerung um den Faktor acht. „Built for the agentic AI era“, so die offizielle Parole. Doch für die Aktionäre bedeutet das zunächst vor allem eines: Geduld. Die Gewinne von morgen werden mit den Verlusten von heute erkauft. Wer jetzt in Alibaba investiert, kauft keine Aktie, sondern ein Ticket für eine Achterbahnfahrt durch die chinesische Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Geopolitische Daumenschrauben lassen den Kurs immer wieder einknicken

Als wäre die technologische Wette nicht schon riskant genug, grätscht die Politik regelmäßig dazwischen. Jüngst sorgte eine fälschliche Aufnahme auf eine US-Verteidigungsliste für Panikverkäufe. Auch wenn das Pentagon die Listung korrigierte, blieb der bittere Nachgeschmack: Alibaba ist und bleibt ein Spielball im kalten Tech-Krieg zwischen Washington und Peking. Jede regulatorische Zuckung in China oder jede neue Sanktion aus den USA kann den Kurs binnen Minuten in den Keller schicken.

Dieses ständige Störfeuer sorgt für eine Volatilität, die selbst hartgesottene Trader verzweifeln lässt. Die fundamentale Bewertung der Aktie ist zwar auf dem Papier günstig, doch das „China-Risiko“ wird vom Markt mit einem massiven Abschlag eingepreist. Die kommenden Quartalszahlen am Donnerstag müssen daher mehr liefern als nur Hoffnung. Sie müssen beweisen, dass die Cloud Intelligence Group den Weg aus der Verlustzone findet, ohne dass das Kerngeschäft im E-Commerce unter dem Druck der heimischen Konkurrenz wie PDD Holdings einknickt.

Die Stunde der Wahrheit schlägt am Tag der Abrechnung

Am Donnerstag wird sich zeigen, ob der 3-Milliarden-Yuan-Plan ein Geniestreich oder ein teurer Flop war. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 291 Milliarden Yuan, blicken aber mit Argusaugen auf den freien Cashflow, der zuletzt durch die massiven Infrastruktur-Ausgaben sogar ins Negative rutschte. Es ist ein bizarrer Anblick für einen Konzern, der jahrelang als die Cash-Maschine Asiens galt.

Wenn die kommerzielle Akzeptanz von Qwen 3.5 ausbleibt oder die Kosten für die Cloud-Skalierung weiter außer Kontrolle geraten, könnte das Vertrauen der Anleger endgültig brechen. Alibaba spielt auf Sieg, doch ein Unentschieden wird es an der Börse nicht geben. Entweder wird der Konzern zum Rückgrat der chinesischen KI-Revolution – oder er endet als mahnendes Beispiel für Größenwahn im digitalen Zeitalter.

Wer braucht schon Stabilität, wenn man eine bionische Wette auf die Zukunft Chinas im Depot haben kann?

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