28. Februar, 2026

Märkte

Alarmstufe Rot: Deutsche Chemie-Giganten kapitulieren vor der Krise

Keine Erholung, massive Stellenstreichungen und Kapitalflucht: Warum BASF und Co. das Jahr 2026 bereits jetzt abschreiben.

Alarmstufe Rot: Deutsche Chemie-Giganten kapitulieren vor der Krise
Die deutsche Chemieindustrie sieht schwarz für 2026. Keine Erholung, Sparzwang und Jobverlagerung prägen das Bild bei BASF & Co.

Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Trendwende ist endgültig verflogen

Die deutsche Chemieindustrie, traditionell der verlässlichste Frühindikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, sendet fatale Signale. Zum Jahresauftakt 2026 verpufft jeglicher Optimismus bei den Branchenschwergewichten BASF, Covestro und Evonik. Die erwartete Erholung bleibt aus, stattdessen dominieren Volatilität und geopolitische Unsicherheiten das Marktgeschehen.

Die Lage ist prekär: Der Branchenverband VCI sieht trotz punktueller Impulse durch das Sondervermögen der Bundesregierung keine breite Stimulierung der Nachfrage. Insbesondere die veränderte Zollpolitik der USA sorgt für massive Verunsicherung bei den Abnehmern, was zu einer Zurückhaltung bei Bestellungen führt. Die Kapazitäten sind schwach ausgelastet, während die Energiekosten in Europa die Margen weiter erdrücken.

„Aus heutiger Sicht rechnen wir kurzfristig weder mit einer nennenswerten Markterholung noch mit einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage“, so Markus Kamieth, Vorstandsvorsitzender der BASF.

Das operative Geschäft blutet aus und erzwingt historische Sparmaßnahmen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: BASF prognostiziert für das laufende Geschäftsjahr lediglich ein bereinigtes Ebitda zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro – ein Wert, der die Erwartungen der Analysten von 7,02 Milliarden Euro klar verfehlt. Der Kapitalmarkt strafte diese Aussicht sofort mit Kursverlusten ab. Das Unternehmen reagiert mit einer Verschärfung des Sparprogramms: Statt ursprünglich geplanter 2,1 Milliarden sollen bis Ende 2026 nun jährlich 2,3 Milliarden Euro eingespart werden.

Besonders alarmierend ist die Situation im Heimatmarkt. Allein das Deutschlandgeschäft der BASF am Stammsitz Ludwigshafen fährt operative Verluste von über einer Milliarde Euro ein. Die Konsequenz ist ein massiver Personalabbau. Bereits Ende 2025 waren rund 4800 Stellen weniger besetzt als zwei Jahre zuvor, wobei die Führungsebene überproportional um elf Prozent gekürzt wurde.

„Eine Besserung der Konjunktur können wir aktuell nicht erkennen“, so Christian Kullmann, Chef der Essener Evonik AG.

Der Standort Deutschland verliert kritische Funktionen an Asien

Die Deindustrialisierung manifestiert sich nicht nur in der Produktion, sondern zunehmend in der Verwaltung. BASF plant, den Berliner Service-Hub massiv zu verkleinern und hunderte qualifizierte Arbeitsplätze in den Bereichen Finanzen, Personal und Lieferkettenmanagement nach Indien und Malaysia zu verlagern. Gewerkschaften wie die IG BCE befürchten den Wegfall von deutlich mehr als 1000 Stellen in der Hauptstadt.

Gleichzeitig werden die Investitionsbudgets für die heimischen Standorte drastisch zusammengestrichen. Zwischen 2026 und 2029 will BASF nur noch 13 Milliarden Euro investieren – eine Kürzung um 20 Prozent gegenüber der vorherigen Planung. Dies steht im scharfen Kontrast zum Engagement in China, wo ein neuer Mega-Standort für 8,7 Milliarden Euro fertiggestellt wurde, der ab 2027 positive Ergebnisbeiträge liefern soll.

„2026 wird voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr, in dem unsere Industrie mit deutlichem Gegenwind rechnen muss“, so BASF-Chef Markus Kamieth.

Sondereffekte durch Staatsgarantien verzerren das reale Bild

Dass die Nettoergebnisse der BASF zuletzt höher ausfielen, ist ein trügerischer Effekt, der nichts mit operativer Stärke zu tun hat. Der Konzern profitiert massiv von Zahlungen der Bundesregierung aus Staatsgarantien für die enteigneten Russland-Aktivitäten der Tochter Wintershall Dea. Allein 2025 flossen hier rund 900 Millionen Euro.

Für das Jahr 2026 werden weitere 800 Millionen Euro aus diesen Garantien erwartet. Diese Gelder verbessern zwar den freien Cashflow und sichern die Dividende von 2,25 Euro je Aktie, können aber die strukturellen Defizite im Kerngeschäft nicht dauerhaft kompensieren.

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