Tesla vollzieht den radikalsten Strategiewechsel seiner Unternehmensgeschichte. Der Elektroautopionier investiert zwei Milliarden US-Dollar direkt in Elon Musks KI-Unternehmen xAI. Dieser Schritt untermauert Musks Ambition, Tesla von einem reinen Fahrzeughersteller zu einem führenden KI-Konzern zu transformieren.
Die Neuausrichtung ist entscheidend, um die aktuelle Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar zu rechtfertigen. Analysten sehen in der Symbiose aus xAI-Algorithmen und Teslas Hardware die einzige Möglichkeit, das Versprechen des autonomen Fahrens endlich einzulösen. Doch der Preis für diesen Umbau ist astronomisch hoch und birgt enorme Risiken für die Liquidität.

Die Transformation zur KI-Holding verschlingt historisches Kapital
Die Kapitalausgaben (Capex) werden in diesem Jahr explodieren. Finanzvorstand (CFO) Vaibhav Taneja kündigte an, dass die Investitionen 2026 die Marke von 20 Milliarden Dollar überschreiten werden. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber den 8,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2025.
Dieses Kapital fließt primär in den Aufbau neuer Fabriken für das „Cybercab“, den humanoiden Roboter Optimus sowie den Ausbau der Semi-Truck-Produktion. Gleichzeitig verzeichnete Tesla 2025 den ersten jährlichen Umsatzrückgang der Firmengeschichte: Die Erlöse sanken um rund 3 Prozent auf 94,83 Milliarden Dollar.
„Angesichts der Verlangsamung des traditionellen EV-Geschäfts können Tesla-Investoren so am heißlaufenden KI-Boom teilhaben“, so Andrew Rocco, Aktienstratege bei Zacks Investment Research.
Trotz des Umsatzrückgangs überraschte Tesla mit einer operativen Effizienzsteigerung. Die Bruttomarge im Automobilbereich (ohne regulatorische Gutschriften) stieg im vierten Quartal auf 17,9 Prozent, deutlich über den erwarteten 14,3 Prozent.
Produktionsstopp der Ikonen macht Platz für die Roboter-Zukunft
In einer drastischen Maßnahme verkündete Elon Musk das Ende der Modelle S und X. Die einstigen Flaggschiffe, die Tesla als Premium-Marke etablierten, werden nicht mehr produziert. Die freiwerdenden Kapazitäten in den Fabrikhallen sollen stattdessen für die Fertigung von Robotern genutzt werden.
Der Fokus liegt nun vollständig auf dem Cybercab, dessen Produktion noch in diesem Jahr anlaufen soll. Allerdings steht das Unternehmen vor regulatorischen Hürden, da das Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale konzipiert ist – ein Verstoß gegen aktuelle föderale Designstandards in den USA.
Lichtblick Energiesparte und die Gefahr der Chip-Krise
Während das Kerngeschäft wackelt, erwies sich die Energiesparte als stabilisierender Faktor. Der Umsatz aus Energieerzeugung und -speicherung kletterte im Dezember-Quartal um 25,5 Prozent auf den Rekordwert von 3,84 Milliarden Dollar. Die Nachfrage nach netzgroßen Batteriespeichern bleibt ungebrochen hoch.
Doch am Horizont droht ein massives logistisches Problem: Ein weltweiter Mangel an Speicherchips. Musk warnte davor, dass die KI-Infrastruktur-Offensive der US-Tech-Konzerne den Markt leerkauft, was Teslas Pläne in den kommenden Jahren sabotieren könnte.
„Wenn wir das nicht tun [eine eigene Chip-Fabrik bauen], werden wir fundamental durch die Lieferkette limitiert sein“, so Elon Musk, CEO von Tesla.
