Der österreichische Krypto-Broker Bitpanda inszeniert sich gerne als der Musterknabe einer oft zwielichtigen Branche. Mit sieben Millionen Kunden und einer angestrebten Bewertung von bis zu fünf Milliarden Euro plant das Unternehmen für 2026 den großen Börsengang in Frankfurt.
Doch hinter der glänzenden Fassade bröckelt es gewaltig. Recherchen von WDR, NDR und SZ haben interne Dokumente ans Licht gebracht, die das Image der „Compliance-Company“ massiv beschädigen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin stieß auf Zustände, die Anleger aufhorchen lassen müssen.
Die Aufsichtsbehörde attestierte dem Unternehmen ein schwerwiegendes Organisationsversagen
Nachdem die deutsche Tochtergesellschaft, die Bitpanda Asset Management GmbH, 2022 ihre Lizenz erhielt, folgte 2023 die Ernüchterung. Eine Sonderprüfung der BaFin förderte insgesamt 16 Mängel zutage.
Die Bilanz der Prüfer ist verheerend: Fünf dieser Feststellungen wurden als „schwerwiegend“ eingestuft, vier als „gewichtig“. Betroffen waren ausgerechnet die neuralgischen Bereiche Risiko, IT und Outsourcing.
Nikolai Badenhoop vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung klassifiziert diese Funde als „gravierend“. Wenn bei einem Krypto-Finanzinstitut die IT-Sicherheit und das Risikomanagement wackeln, ist das operative Herzstück gefährdet.

Interne Revisoren warnten vor fehlender Fachkompetenz in den eigenen Reihen
Noch schockierender als die externen Rügen sind die internen Befunde. Die eigene Revisionsabteilung stellte der Organisation ein katastrophales Zeugnis aus. Es fehle schlicht an der notwendigen Dokumentation, um regulatorischen Standards zu genügen.
Die Analyse der Auditoren liest sich wie eine Anklageschrift gegen das Management: Es herrsche ein „Mangel an Bewusstsein“ sowie ein „Mangel an Expertise in regulierten Finanzinstituten“. Die IT-Abteilung sei teilweise nicht einmal prüfbereit gewesen.
Diese internen Zweifel stehen im krassen Widerspruch zu den öffentlichen Aussagen von Gründer Eric Demuth, der Bitpanda im Dezember 2024 noch als hochprofessionelle „Compliance-Company“ pries.

Trotz Nachbesserungen verweigerte die BaFin noch im Januar 2025 die Entwarnung
Zwar meldete Bitpanda Ende 2024, dass knapp 69 Prozent der Mängel behoben seien, doch der Aufsicht reichte das nicht. In einem Belehrungsschreiben von Januar 2025 stellte die BaFin fest, dass weiterhin keine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation im Sinne des §25a KWG vorliege.
Bitpanda selbst betont im Geschäftsbericht 2024, man habe im ersten Quartal 2025 alle Mängel der Sonderprüfung abgestellt. Das Unternehmen framingt die Vorgänge als „übliche Feststellungen“ im ersten Jahr nach Lizenzerhalt.
Trotz der Mängel bleibt Bitpanda im europäischen Vergleich der „Einäugige unter den Blinden“. Während Konkurrenten wie Binance teilweise noch ganz ohne EU-Lizenz operieren, unterwirft sich Bitpanda immerhin der strengen Regulatorik – wenn auch mit sichtbaren Schmerzen.

