Das Auslieferungsniveau verliert an Höhe
Airbus hat im November 72 Flugzeuge ausgeliefert – weniger als im Oktober und deutlich weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl wirkt auf den ersten Blick solide, doch sie trifft ein Unternehmen, das im gleichen Zeitraum eigentlich beschleunigen wollte. Seit Jahresbeginn summieren sich die Auslieferungen auf 657 Maschinen. Der Abstand zum ursprünglichen Jahresziel ist damit sichtbar geworden.
Kaum ein Monat im Kalenderjahr ist für Airbus so entscheidend wie der November: Er zeigt, ob der Hersteller in den Endspurt kommt oder hinter den eigenen Vorgaben zurückfällt. In diesem Jahr ist es Letzteres. Der Konzern kämpft weniger mit der Nachfrage als mit seinen eigenen Fertigungsketten.
Der A320neo wird zum neuralgischen Punkt
Die Produktionsschwäche hängt nicht an einem abstrakten „Lieferkettenproblem“, sondern an einem konkreten Fehler: fehlerhafte Rumpfteile beim A320, dem meistverkauften Flugzeug der Welt.
Sie betreffen nicht nur Jets in der Endmontage, sondern auch Maschinen, die längst bei Airlines im Einsatz sind. Airbus muss nun rund 600 Flugzeuge überprüfen und Teile austauschen, sofern die Analyse Defekte bestätigt. Es ist ein Prozess, der Personal, Kapazität und Zeit bindet – und genau jene Ressourcen frisst, die für einen Produktionshochlauf nötig wären.
Der Befund wirkt umso schwerer, weil der A320 das Rückgrat der Airbus-Planung ist: Er bestimmt die Auslastung, die Ergebnisentwicklung und den Jahresabschluss. Jede Verzögerung in diesem Programm multipliziert sich durch die immense Stückzahl.

Die Zielkorrektur war unvermeidbar – doch sie bleibt riskant
Vor wenigen Tagen hat Airbus sein Jahresziel auf 790 Auslieferungen gesenkt. Das war weniger eine vorsichtige Anpassung als ein Eingeständnis struktureller Engpässe. Das neue Ziel ist realistischer, aber es enthält kaum Puffer.
Der Konzern muss in den verbleibenden Wochen nahezu fehlerfrei arbeiten, um die Vorgabe zu erreichen. Jeder zusätzliche Befund im A320-Programm könnte den Plan erneut ins Wanken bringen. In der Branche wird daher weniger über die 790 gesprochen als über das, was sich aus ihnen ablesen lässt: Airbus hat seine Produktion an eine Belastungsgrenze geführt, bei der Qualitätsprobleme sofort systemrelevant werden.
Der Markt fragt nach der mittelfristigen Tragfähigkeit
Die Zahlen des November ändern den Blick auf den Konzern nicht fundamentally, aber sie verschieben ihn. Investoren erkennen, dass der Engpass nicht kurzfristig verschwinden wird. Die Qualitätsüberprüfung bedeutet, dass Airbus weitere Monate mit einer reparierenden statt einer wachsenden Fertigung verbringen muss.
Gleichzeitig bleibt die strukturelle Nachfrage stark, Airlines warten auf neue Jets, Leasinggesellschaften füllen ihre Bücher. Der strategische Rückenwind ist intakt – doch er hilft wenig, wenn das operative Fundament ins Stocken gerä
Der Dezember wird zur Bewährungsprobe
Airbus lebt traditionell von einem starken Jahresendspurt. Der Konzern wird alles tun, um diese Serie fortzuführen. Doch selten zuvor war das Risiko so klar benannt wie in diesem Jahr: Der A320 entscheidet über den Erfolg.
Die bevorstehende technische Prüfung von Hunderten Maschinen ist mehr als ein Wartungsvorgang. Sie ist ein Belastungstest für das Vertrauen in ein Programm, das die moderne Luftfahrt geprägt hat. Gelingt die Stabilisierung nicht schnell, könnte sich aus einer technischen Schwäche ein strategischer Schatten entwickeln.


