Die Diskrepanz zwischen Konzernkommunikation und realen Flugausfällen offenbart tiefe Risse
Die Lufthansa AG versucht nach zwei massiven Streiktagen der Piloten, operative Normalität zu suggerieren. Laut offiziellen Angaben des Konzerns lief der Flugbetrieb an den Drehkreuzen Frankfurt und München am Wochenende wieder nach Plan an.

Doch die Daten der Geschäftsleitung und der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit weichen fundamental voneinander ab. Während das Management von einer Aufrechterhaltung von mehr als 50 Prozent des Flugprogramms spricht, zeichnet die Arbeitnehmervertretung ein drastischeres Bild der operativen Lage.
„An den beiden vergangenen Streiktagen konnten mehr als 50 Prozent des ursprünglich geplanten Flugprogramms angeboten werden“, so ein Unternehmenssprecher der Lufthansa.
Die Gewerkschaft kontert diese Darstellung mit eigenen Statistiken. Demnach fielen allein am ersten Streiktag über 600 der 800 geplanten Flüge aus, was einer tatsächlichen Stornoquote von annähernd 80 Prozent entspricht.
Der ungelöste Rentenstreit treibt den Dax-Konzern in eine andauernde operative Krise
Kern des eskalierenden Tarifkonflikts bei der Muttergesellschaft und der Frachttochter Lufthansa Cargo sind die Betriebsrenten. Bei der Regionaltochter Lufthansa Cityline steht primär eine deutliche Anhebung der Grundgehälter im Fokus der Verhandlungen.
Trotz der massiven operativen Einschränkungen und finanziellen Einbußen liegt bislang kein konsensfähiges Angebot der Arbeitgeberseite vor. Die Fronten zwischen der Konzernführung und der Pilotenvertretung bleiben damit völlig verhärtet.
„Unser Ziel ist keine Eskalation, sondern eine faire Lösung auf Augenhöhe“, so VC-Präsident Andreas Pinheiro.
Eine drohende Arbeitsniederlegung bei Eurowings gefährdet nun auch das wichtige Direktfluggeschäft
Das massive Streikrisiko weitet sich nun unmittelbar auf das profitable Urlaubssegment aus. In einer Urabstimmung haben sich 94 Prozent der teilnehmenden Eurowings-Piloten für einen massiven Arbeitskampf ausgesprochen, bei einer hohen Wahlbeteiligung von 82 Prozent.
Auch bei der Direktfluggesellschaft mit Sitz in Köln eskaliert der Streit um die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung. Der Konzern lehnt bislang jede Erhöhung des Volumens kategorisch ab, was die Gewerkschaft zum konsequenten Handeln zwingt.
„Mit diesem eindeutigen Votum erhält die Vereinigung Cockpit ein starkes Mandat der Pilotinnen und Piloten bei Eurowings, ihre Forderungen nach einer Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung konsequent weiterzuverfolgen“, so VC-Präsident Andreas Pinheiro.
Ein konkretes Datum für den Streik bei Eurowings steht noch aus, eine zeitnahe Ankündigung wird jedoch vom Markt erwartet. Die Aktie der Lufthansa AG notierte im XETRA-Handel trotz der drohenden Ausfälle zuletzt leicht im Plus bei 7,66 Euro.

