Die deutsche Chemiebranche steht durch geopolitische Krisen und EU-Regulierung mit dem Rücken zur Wand
Die vergangenen Jahre haben tiefe Spuren in den Bilanzen der deutschen Chemieindustrie hinterlassen. Pandemie, der Krieg in der Ukraine und globale Handelskonflikte sorgten für ein extrem volatiles Marktumfeld.
Zusätzlich wächst der regulatorische Druck massiv. Die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit erfordert immense Investitionen. Gleichzeitig treiben EU-Vorschriften, insbesondere der Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten, die operativen Kosten in die Höhe.

Carsten Schneider fordert in Brüssel überraschend mehr kostenlose Zertifikate für die Industrie
In dieser kritischen Gemengelage erhält der Sektor nun unerwartete Schützenhilfe aus der Politik. Carsten Schneider (SPD) interveniert auf europäischer Ebene, um die Belastungen für Konzerne wie BASF abzufedern.
Der Vorstoß zielt darauf ab, der leidgeprüften Branche ein höheres Kontingent an kostenlosen Treibhausgas-Zertifikaten zuzuweisen als ursprünglich im EU-Plan vorgesehen. Dies soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern.
„Die Chemiebranche steht unter internationalem Druck und das nehmen wir ernst“, so der SPD-Politiker Carsten Schneider.
Schneider plädiert für die kurzfristige Einführung realistischerer Maßstäbe bei der Zuteilung der Emissionsrechte. Es geht um eine spürbare Entlastung der Kostenstruktur.
„Das kann ein Beitrag zur Entlastung der Chemieindustrie werden, darf aber nicht der einzige Schritt bleiben“, so Schneider weiter.
Der Emissionshandel bleibt das zentrale Instrument, muss aber Standortverlagerungen verhindern
Der EU-Emissionshandel (ETS) fungiert als primäres Klimaschutz-Instrument. Große Emittenten müssen für ihren CO2-Ausstoß Zertifikate vorweisen, deren Obergrenze politisch festgelegt und jährlich reduziert wird.
Die kostenfreie Zuteilung von Zertifikaten dient dabei als Schutzmechanismus gegen die Abwanderung der Industrie in Regionen mit geringeren Umweltauflagen. Dieser Schutz soll nun länger oder umfangreicher greifen, um den Standort Europa zu halten.
„Er verbindet erfolgreich Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke – und das soll auch so bleiben“, so Schneider zur Funktion des Emissionshandels.
Die charttechnische Situation bei BASF hellt sich durch politische Signale deutlich auf
Für Investoren ist die politische Rückendeckung ein klares Kaufsignal. Die Aussicht auf eine Abmilderung der regulatorischen Kostenlast stabilisiert die Erwartungshaltung für künftige Margen.
Die Aktie des Ludwigshafener Chemie-Riesen BASF reagiert entsprechend. Nach einer mehrmonatigen Konsolidierungsphase hat sich die charttechnische Verfassung des Papiers zuletzt sichtbar verbessert.


