30. Januar, 2026

Finanzen

Achtung Anleger: Warum Bitpandas 5-Milliarden-Wette jetzt brandgefährlich wird

Hollywood-Glanz trifft auf BaFin-Alarm: Das Wiener Fintech plant den Megabörsengang, doch Insider warnen vor toxischen Risiken und versteckten Kosten.

Achtung Anleger: Warum Bitpandas 5-Milliarden-Wette jetzt brandgefährlich wird
Trotz Hollywood-Werbung: Experten warnen vor Bitpandas IPO-Plänen. Versteckte Kosten und Compliance-Probleme belasten das Fintech.

Christoph Waltz lächelt in die Kamera, Oliver Kahn stand bereits Pate, und auf den Trikots des FC Bayern München prangt das Logo. Die Marketing-Maschine von Bitpanda läuft auf Hochtouren. Doch hinter der glamourösen Fassade des Wiener Fintechs braut sich eine Mischung zusammen, die für Anleger schnell explosiv werden kann. Das Unternehmen, das mit 650 Digitalwährungen zum europäischen Krypto-Riesen aufstieg, vollzieht derzeit eine riskante Metamorphose.

Die Gründer Eric Demuth und CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad wollen raus aus der Krypto-Nische und Banken sowie Neobrokern wie Trade Republic Marktanteile abjagen. Das Ziel: Eine Bewertung von vier bis fünf Milliarden Euro bei einem möglichen IPO an der Frankfurter Börse noch in diesem Jahr. Doch die Zahlen und internen Strukturen werfen Fragen auf, ob hier Substanz oder nur ein Hype verkauft wird.

„Damit können sich unsere Kunden nun um ihre finanzielle Freiheit kümmern.“

Der aggressive Strategiewechsel kaschiert die extreme Abhängigkeit vom volatilen Kryptomarkt

Die neue Storyline ist klar definiert: Bitpanda will nicht mehr nur Krypto-Casino sein, sondern eine seriöse Plattform für Aktien, ETFs und Altersvorsorge. Dieser Schwenk ist überlebensnotwendig. Im letzten „Kryptowinter“ 2021 brach der Umsatz um dramatische 80 Prozent ein. Die Führungsebene weiß, dass institutionelle Investoren für einen Börsengang stabilere Erlösströme sehen wollen als schwankende Bitcoin-Gebühren.

Branchenbeobachter vermuten hinter dem Manöver jedoch weniger eine strategische Vision als vielmehr den Druck, eine verkaufsfähige Equity-Story für den Exit zu kreieren. Eric Demuth, der knapp 22 Prozent am Unternehmen hält, ist operativ in den Verwaltungsrat gewechselt. Kritiker sehen darin ein Indiz, dass Kasse gemacht werden soll, bevor der Markt sich erneut dreht.

AlleAktien Kritik: Rendite, Risiko, Kosten - Die drei… | AlleAktien
Deutschlands beste Aktienanalysen

Enorme Gebühren und Spreads fressen die Rendite der Privatanleger systematisch auf

Während Bitpanda mit einer Pauschalgebühr von einem Euro für Aktienorders wirbt und damit optisch mit der Konkurrenz gleichzieht, liegt die wahre Kostenfalle im Kerngeschäft Krypto. Eine Analyse der Frankfurt School of Finance zeigt auf, dass die Gesamtkosten inklusive Spread bis zu 2,5 Prozent der Anlagesumme betragen können. Das ist im Marktvergleich extrem teuer.

Zudem bedient das Unternehmen gezielt den Zocker-Instinkt. Als Donald Trump einen dubiosen Token lancierte, listete Bitpanda diesen binnen Tagen – während andere Broker abwinkten. Interne Quellen berichten, dass viele Mitarbeiter unterhalb der Führungsebene aus dem Sportwetten-Bereich stammen, was sich in der Produktpolitik widerspiegelt.

Schwere Compliance-Mängel und BaFin-Untersuchungen belasten die Börsenreife massiv

Die größte Gefahr für den geplanten Börsengang lauert jedoch in der Regulatorik. Recherchen von SZ, NDR und WDR legten offen, dass die BaFin bei der deutschen Tochterfirma gravierende Mängel im Risikomanagement und der IT-Sicherheit feststellte. Auch interne Prüfer warnten vor fortlaufenden Verstößen gegen aufsichtsrechtliche Anforderungen.

Zwar behauptet Bitpanda, alle Mängel seien seit Ende März 2025 beseitigt, doch der Reputationsschaden bleibt. Für einen Bewertungsansatz von über dem Zehnfachen des Umsatzes – höher als beim US-Riesen Coinbase – sind solche Warnsignale Gift. Anleger sollten genau prüfen, ob sie in ein solides Fintech investieren oder eine überteuerte Wette auf die Vergangenheit eingehen.

Sympatex ist insolvent und die Altlasten holen das Unternehmen ein
Der Spezialtextilhersteller aus Bayern scheitert finanziell – und das Verfahren rückt eine umstrittene Anleiherestrukturierung erneut ins Licht.