03. April, 2026

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402.000 Kilometer ins Ungewisse: Artemis 2 gestartet – doch der Hitzeschild könnte die Crew töten

Erstmals seit 1972 fliegen Menschen wieder Richtung Mond. Vier Astronauten an Bord, 93 Milliarden Dollar Programm, geopolitischer Wettlauf mit China. Doch über 100 Hitzeschild-Schäden bei Artemis 1 entdeckt. Die Landung am 10. April wird zur Zitterpartie. Trump will vor 2029 auf dem Mond sein.

402.000 Kilometer ins Ungewisse: Artemis 2 gestartet – doch der Hitzeschild könnte die Crew töten
Artemis 2 gestartet. Vier Astronauten fliegen zum Mond. 402.000 Kilometer Distanz, Rekord. Doch über 100 Hitzeschild-Schäden entdeckt. Landung am 10. April wird zur Zitterpartie.

Nach mehrmonatigen Verzögerungen ist die leistungsstärkste und teuerste Rakete der Nasa endlich gestartet. Um 18:35 Uhr Ortszeit hob die knapp 100 Meter hohe und 2610 Tonnen schwere SLS-Rakete unter dem Jubel der Zuschauer vom Kennedy Space Center in Florida ab. An Bord vier Astronauten, die mit der Artemis-2-Mission Geschichte schreiben sollen. Das Ziel: die Rückkehr des Menschen zum Mond nach gut 50 Jahren. Doch über der Mission schwebt ein dunkler Schatten – der beschädigte Hitzeschild.

Der Flug verlief zunächst reibungslos. Kommandant Reid Wiseman meldete sich bereits kurz nach dem Start, dass alle Systeme wie geplant funktionierten. Das auf zehn Tage veranschlagte Abenteuer soll den technologischen Grundstein für künftige Landungen und regelmäßige Flüge zum Mond legen. Nach dem Start stehen für die Astronauten zunächst Systemchecks an. Das erste kritische Manöver ist etwa 25 Stunden nach dem Start geplant: die Zündung des Hauptmotors der Orion-Kapsel, mit der das Raumschiff auf die etwa viertägige Reise zum Mond gebracht wird.

93 Milliarden Dollar – und ein geopolitischer Wettlauf gegen China

Die Mission ist ein Testflug für das etwa 93 Milliarden Dollar teure Artemis-Programm, mit dem die Amerikaner noch vor den Chinesen wieder bemannt den Mond betreten wollen. Zuletzt war die Besatzung von Apollo 17 im Dezember 1972 auf dem Mond. Seit nunmehr 53 Jahren hat kein Mensch mehr seinen Fuß auf die Oberfläche des Erdtrabanten gesetzt.

Doch diesmal geht es nicht mehr um Kurztrips, sondern um eine permanente Besiedlung und den Aufbau von Infrastruktur. Nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump ist die Rückkehr von US-Astronauten zum Mond möglichst noch vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar 2029 geplant. Seine Losung lautet: „Wir gehen zurück zum Mond – und diesmal bleiben wir."

Der Wettlauf findet diesmal nicht zwischen den USA und der Sowjetunion statt, sondern zwischen Washington und Peking. China treibt sein eigenes Mondprogramm voran, baut eine Mondbasis, schickt unbemannte Missionen. Die USA wollen nicht als Zweite ankommen. Der Mond ist zum Symbol geopolitischer Dominanz geworden.

Kein Landevehikel – Musk und Bezos müssen liefern

Die USA könnten ohnehin noch gar nicht landen, denn es gibt noch kein Vehikel dafür. Diese müssen erst noch von den Milliardären Elon Musk und Jeff Bezos entwickelt werden. Bei der jetzt gestarteten Artemis-2-Mission ist keine komplette Mondumkreisung oder gar eine Landung vorgesehen, sondern nur ein Vorbeiflug auf der Rückseite des Mondes.

An Bord sind Kommandant Reid Wiseman (50), Pilot Victor Glover (49), Missions-Spezialistin Christina Koch (47) und der kanadische Missions-Spezialist Jeremy Hansen (50). Bei der halben Mondumkreisung wird der Funkkontakt für gut 40 Minuten abreißen. Der Kommunikations-Blackout ist kein Grund zur Aufregung, sondern Physik – der Mond blockiert auf seiner Rückseite die Funkwellen zur Erde.

Eine bemannte US-Mond-Landung ist nach jüngsten Planänderungen erst mit der Artemis-4-Mission geplant, die derzeit frühestens für 2028 vorgesehen ist. Artemis 3 soll entgegen ursprünglicher Planung noch nicht zum Mond fliegen. Vielmehr soll das Orion-Raumschiff in niedriger Umlaufbahn um die Erde mit einem der beiden kommerziellen Mondlandevehikel entweder von Elon Musk mit SpaceX oder von Jeff Bezos mit Blue Origin gekoppelt werden. Die Nasa will auf Nummer sicher gehen.

Hitzeschild-Schäden – das größte Risiko der Mission

Ob die jetzt gestartete Artemis-2-Mission ein Erfolg wird, ist bis praktisch zur letzten Minute unsicher. Zu den Verzögerungen des Vorhabens hat nämlich eine unerfreuliche Entdeckung nach der Landung der Kapsel der Artemis-1-Mission im Pazifik beigetragen. An über 100 Stellen wurde unerwartetes Abplatzen des Hitzeschilds der Kapsel ermittelt. Die Schäden lagen zwar innerhalb der Sicherheitsgrenzen, wurden aber als Risiko für bemannte Flüge identifiziert.

Durch eine Änderung des Flugprofils soll bei der jetzt gestarteten Mission das Hitzeschildrisiko minimiert werden. Die Kapsel tritt mit etwa 40.000 km/h in die Erdatmosphäre ein, ein Rekordwert. Sollte der Hitzeschild versagen, würde die Crew bei lebendigem Leib verbrennen. Voraussichtlich am 10. April soll die Kapsel dann etwa 80 Kilometer vor der Küste von San Diego in Kalifornien im Pazifik wassern. Diese Landung wird zur Zitterpartie.

402.000 Kilometer – die weiteste je zurückgelegte Distanz

Die Flugbahn der Kapsel hat die Nasa sehr raffiniert ausgetüftelt. Sie ähnelt der Ziffer acht zwischen Erde und Mond. Geplant ist ein sogenannter Lunar Flyby, ohne Eintritt in eine Mondumlaufbahn. Die Crew fliegt einmal um den Mond halb herum und wird durch dessen Schwerkraft direkt zurück zur Erde geschleudert.

Dieses Manöver rettete 1970 als damalige Notlösung die Besatzung von Apollo 13, als ein Sauerstofftank im Servicemodul explodierte. Die Orion-Kapsel bei der Artemis-Mission soll sich bis auf 402.000 Kilometer von der Erde entfernen – die größte jemals von Menschen zurückgelegte Distanz. Dem Mond soll sich die Kapsel bis auf etwa 4600 Kilometer nähern.

Europa liefert das Servicemodul – ohne ESA ginge nichts

Der Chef der europäischen Weltraumagentur ESA, Josef Aschbacher, betont immer wieder den Beitrag der Europäer zu den Artemis-Missionen. Auf der Rakete prangt nicht nur das Logo der Nasa, sondern auch der ESA. „Artemis 2" sei ein „Meilenstein-Moment für die menschliche Exploration und für die Rolle, die Europa dabei spielt, die Menschheit auf den Mond zurückzubringen", sagt Aschbacher.

Ohne die europäische Technik des Servicemoduls, montiert in Bremen bei Airbus, könnten die Amerikaner die Rückkehr zum Mond nicht bewerkstelligen. Das ist ein wichtiger Punkt: Die USA sind technologisch nicht mehr autark. Sie brauchen Europa, sie brauchen Musk, sie brauchen Bezos. Das Artemis-Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt – mit allen Risiken, die das birgt.

Die Sicherheitsphilosophie bremst – doch das Risiko bleibt

Die Sicherheitsphilosophie der US-Raumfahrtagentur prägt die gesamte Artemis-2-Mission. So sind mehr als drei Jahre seit der Artemis-1-Mission vergangen, als die schätzungsweise vier Milliarden Dollar teure SLS-Rakete mit einer Orion-Kapsel in einer unbemannten Mission den Mond umkreiste. Die Nasa ist vorsichtiger geworden, risikoaverser, langsamer.

Vor Jahrzehnten war die Nasa beim ersten Wettlauf zum Mond risikofreudiger und die Großraketen starteten in kürzeren Abständen. Beispielsweise wagten die Amerikaner mit der Apollo-8-Mission 1968 gleich im ersten bemannten Versuch eine mehrfache Mondumkreisung. Diesmal ist die Herangehensweise konservativer – doch das Risiko bleibt. Der beschädigte Hitzeschild ist das größte Fragezeichen dieser Mission.

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