Der Walldorfer Softwarekonzern SAP reagiert mit einer aggressiven Kapitalmaßnahme auf die jüngste Skepsis am Finanzmarkt. Trotz eines operativen Gewinnanstiegs kündigte CEO Christian Klein ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro an. Dieser Schritt erfolgt in einer Phase, in der die Börsenbewertung des wertvollsten DAX-Konzerns deutlich unter die Räder gekommen ist.
Im Kern der Analyse steht die Cloud-Sparte, das zentrale Wachstumsvehikel der SAP-Strategie. Zwar stieg der Cloud-Umsatz im vierten Quartal 2025 währungsbereinigt um 26 Prozent auf 5,61 Milliarden Euro, doch signalisiert dieser Wert eine fortgesetzte Abschwächung der Dynamik. In den vorangegangenen Quartalen lagen die Wachstumsraten noch bei 27 beziehungsweise 28 Prozent.

Investoren bewerten diese Verlangsamung kritisch, was sich im Kursverlauf widerspiegelt. Die Aktie notiert aktuell bei 197,40 Euro – ein Verlust von gut 30 Prozent gegenüber dem Rekordhoch von 283,50 Euro im Februar 2025. Das Management versucht nun, durch den massiven Rückkauf eigener Anteile den Boden zu festigen.
Der Rekord-Auftragseingang sichert die mittelfristigen Wachstumsziele ab
Trotz der aktuellen Delle bei den Umsatzsteigerungen fundamentiert die Auftragslage die Zuversicht der Konzernführung. Der sogenannte Current Cloud Backlog, ein Frühindikator für künftige Einnahmen, erreichte ein neues Rekordhoch von 77 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 30 Prozent.
Christian Klein betonte am Donnerstag, dass diese Zahlen eine solide Basis bildeten, um bis zum Jahr 2027 wieder ein beschleunigtes Wachstum zu erzielen. Der strategische Umbau vom Lizenzverkäufer zum Anbieter von Cloud-Abos ist damit technisch vollzogen, auch wenn die Skalierung derzeit auf Widerstände trifft.
Auch die Profitabilität zeigt sich robust: Der bereinigte operative Konzerngewinn kletterte im Schlussquartal 2025 um 21 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro. SAP beweist damit, dass die Effizienzmaßnahmen im Zuge der Cloud-Transformation greifen.
Geopolitische Risiken und KI-Disruption belasten das Sentiment der Investoren
Die Gründe für den jüngsten Kursverfall sind nicht allein in der Bilanz zu finden, sondern struktureller Natur. Makroökonomisch drückt die Unsicherheit über die US-Zollpolitik auf die Stimmung. Viele Unternehmenskunden kürzen ihre IT-Budgets oder schieben Großprojekte auf die lange Bank.
Noch schwerer wiegt die technologische Debatte um Künstliche Intelligenz. Am Markt wächst die Sorge, dass autonome KI-Agenten klassische Business-Software obsolet machen könnten, indem sie komplexe Aufgaben ohne traditionelle Benutzeroberflächen erledigen.
Diese narrative Bedrohung des Geschäftsmodells zwingt SAP dazu, nicht nur finanziell, sondern auch technologisch Antworten zu liefern, um das Vertrauen der institutionellen Anleger zurückzugewinnen.


